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Sören Reinhard

Dr. Sören Reinhard

Dr. Sören Reinhard ist Diplom-Lebensmittel­chemiker mit Berufserfahrung in Industrie und Wissenschaft. Seiner Promotion im Fach Pharmazeutische Biologie in München schloss sich ein Forschungsaufenthalt in den USA im Bereich Bioingenieurwesen an. Seit 2019 arbeitet er als freiberuflicher Autor und behandelt Themen der Gesundheit, Ernährung und Medizin.

Die Weitsichtigkeit (Hyperopie) bezeichnet eine Form der Fehlsichtigkeit des Auges, die sich in erster Linie durch schlechtes Sehen in der Nähe auszeichnet. In der Regel ist in jungen Jahren und bei nur leichter oder mittlerer Weitsichtigkeit ein normales Sehen in der Ferne möglich, woraus sich der Name “Weitsichtigkeit” ableitet. Mit zunehmendem Alter können Betroffene die Hyperopie immer unzureichender ausgleichen und benötigen womöglich eine Korrektur der Fehlsichtigkeit um scharf zu sehen. Diese Korrektur kann mittels Brille (Sammellinsen, Plusgläser), Kontaktlinsen oder refraktiver Chirurgie erfolgen.

Die Ursache für eine Weitsichtigkeit ist, wie auch bei der Kurzsichtigkeit, ein Missverhältnis zwischen der Länge des Augapfels und der Brechkraft des Auges. Bei Weitsichtigen ist die Brechkraft des Auges zu gering oder der Augapfel zu kurz, weshalb das in das Auge einfallende Licht hinter statt auf der Netzhaut gebündelt wird. Betroffene nehmen nahe gelegene Objekte unscharf wahr1Augenheilkunde – https://www.doi.org/10.1055/b-006-163269. Etwa jeder vierte Europäer im Alter zwischen 25 und 90 Jahren ist von Weitsichtigkeit betroffen2Prevalence of refractive error in Europe: the European Eye Epidemiology (E3 ) Consortium – https://www.doi.org/10.1007/s10654-015-0010-0.

Grundlagen der Optik und Anpassung des Auges

Der optische Apparat des Auges wird auch als dioptrischer oder lichtbrechender Apparat bezeichnet. Er ist von außen nach innen aus Hornhaut, vorderer und hinterer Augenkammer, Linse und Glaskörper aufgebaut. Der Glaskörper liegt schließlich der Netzhaut (Retina) an, auf der Lichtstrahlen in Nervenimpulse umgewandelt werden und dadurch ein Bild entstehen lassen.

Werden Lichtstrahlen durch den optischen Apparat exakt auf der Netzhaut gebündelt, kann ein scharfes Bild entstehen. Da sich Objekte in unterschiedlichem Abstand zum Auge befinden, muss der optischen Apparat seine Brechkraft anpassen können. Die Brechkraft wird international in Dioptrien (dpt) angegeben. Die Anpassung der Brechkraft des optischen Apparats wird als Akkommodation bezeichnet. Liegt ein Gegenstand weit vom Auge entfernt, reicht eine relativ geringe Brechkraft des Auges aus um das Bild auf der Netzhaut zu bündeln.

Rückt ein Gegenstand näher an das Auge heran, muss die Brechkraft des optischen Apparats erhöht werden. Den größten Beitrag zur Gesamtbrechkraft des Auges liefert die Hornhaut (Kornea), der jedoch im Rahmen der Akkommodation nicht verändert werden kann.

Entscheidend für die Akkomodationsfähigkeit des Auges ist daher die Krümmung der Augenlinse, die sich beim Fokussieren eines Gegenstands anpassen kann. Das Ziel der Akkommodation ist es, durch eine Anpassung der Brechkraft der Linse Gegenstände in verschiedenen Entfernungen scharf auf der Netzhaut abzubilden. Um die Linse auf die Nähe einzustellen, kugelt sie sich ab und erhöht damit ihre Brechkraft. Eine Abflachung der Linse erniedrigt die Brechkraft und dient damit zur Fernakkommodation.

Ist das Auge nicht zu einer ausreichenden Akkomodation in der Lage, liegt ein Refraktionsfehler vor. Die Refraktion wird in Dioptrien angegeben und bezeichnet den Brechwert einer optischen Korrektur, die Normalsichtigkeit ermöglicht. Sowohl bei Kurzsichtigkeit (Myopie) als auch bei Weitsichtigkeit (Hyperopie) besteht ein Missverhältnis zwischen der Gesamtbrechkraft des optischen Apparats und der Länge des Augapfels.

Bei einer Hyperopie wird einfallendes Licht hinter, bei Myopie vor der Netzhaut gebündelt. Es resultiert in beiden Fällen ein unscharfes Bild, das bei Kurzsichtigkeit bei weit entfernten und bei Weitsichtigkeit vor allem bei nahen Gegenständen auftritt3Duale Reihe Physiologie – https://www.doi.org/10.1055/b000000462.

Einteilung, Ursachen und Verbreitung der Weitsichtigkeit

Bei der Weitsichtigkeit werden im Vergleich zur Normalsichtigkeit parallel ins Auge fallende Lichtstrahlen hinter der Netzhaut abgebildet, wodurch Gegenstände nicht scharf wahrgenommen werden. Für die Weitsichtigkeit gibt es zwei mögliche Ursachen:

  • Zu kurzes Auge (Achsenhyperopie): Brechung und Bündelung des einfallenden Lichtes sind normal, aufgrund der zu geringen Länge des Augapfels werden Gegenstände jedoch hinter der Netzhaut abgebildet.
  • Zu geringe Brechkraft (Brechungshyperopie): Aufgrund der zu geringen Brechkraft des optischen Apparats werden Gegenstände trotz normaler Länge des Augapfels hinter der Netzhaut abgebildet.

Als Sonderform der Brechungshyperopie gilt die Linsenlosigkeit, die entweder durch Linsenluxation, also eine Lageveränderung der Linse, oder als Zustand nach einer operativen Entfernung der Linse ohne Einsatz einer Kunstlinse entstehen kann. In den meisten Fällen ist ein zu kurzes Auge bei normaler Brechkraft (Achsenhyperopie) die Ursache der Weitsichtigkeit. Der genaue Mechanismus der Krankheitsentstehung ist nicht vollständig geklärt. Die Achsenhyperopie ist meist angeboren4Augenheilkunde – https://www.doi.org/10.1055/b-006-163269.

Eine Auswertung der Fachliteratur bezüglich des Auftretens von Refraktionsfehlern in Europa ergab, dass etwa jeder vierte Europäer (25,2%) im Alter zwischen 25 und 90 Jahren von Weitsichtigkeit betroffen ist. Der Anteil ist bei jungen Menschen deutlich geringer (6,4% in der Altersgruppe 25 – 30 Jahre) als bei Älteren (31,2% in der Altersgruppe 55-59 Jahre)5Prevalence of refractive error in Europe: the European Eye Epidemiology (E3 ) Consortium – https://www.doi.org/10.1007/s10654-015-0010-0.

Symptome und Diagnose der Weitsichtigkeit

Weitsichtigkeit - Ursachen, Symptome und Behandlung

Weitsichtige müssen, um einfallende Lichtstrahlen auf der Netzhaut zu bündeln, bereits beim Blick in die Ferne akkommodieren. Dies gelingt besonders bei jungen Betroffenen recht gut, sodass eine geringgradige bis mittlere Hyperopie durch Akkommodation ausgeglichen werden kann und beim Weitsehen ein scharfes Bild entsteht. Allerdings führt diese Dauerbeanspruchung des Ziliarmuskels, der für die Einstellung der Brechkraft der Linse verantwortlich ist, zu Beschwerden wie Augen- und Kopfschmerzen, Augenbrennen, verschwommenes Sehen und schnelle Ermüdbarkeit. Die Symptome treten durch Belastung wie beispielsweise langes Lesen auf. Auch eine Blepharokonjunktivitis, die gleichzeitige Entzündung des Augenlids (Blepharitis) und der Bindehaut (Konjunktivitis) zählt zu den möglichen Symptomen einer Weitsichtigkeit. Beim Sehen in der Nähe gerät das Auge aufgrund der zu gringen Brechkraft des optischen Apparats oder des zu kurzen Augapfels an seine Grenzen und nahe Gegenstände bleiben unscharf. Als weitere Folge der Hyperopie kann es zum Einwärtsschielen kommen. Die Sehachse der schielenden Augen weichen hierbei nach innen ab. Die Fähigkeit zur Akkommodation lässt im Laufe des Lebens nach, wodurch insbesondere das Nahsehen zunehmend mühsamer wird. Weitsichtige weisen deshalb scheinbar früher auch eine Alterssichtigkeit (Presbyopie) auf. Zudem ist Hyperopie aufgrund der oft flachen Vorderkammer des Auges ein Risikofaktor für das Auftreten eines akuten Winkelblockglaukoms.

Die Diagnose Weitsichtigkeit wird aufgrund der typischen Einschränkung des Sehvermögens mittels einer Refraktionsbestimmung gestellt. Bei der Refraktionsbestimmung wird die zusätzliche Brechkraft ermittelt, die notwendig ist, um auf der Netzhaut ein scharfes Bild zu erzeugen. Hierbei gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Subjektive Refraktionsbestimmung: Der Untersucher hält dem Betroffenen verschiedene Kombinationen mit Gläsern unterschiedlicher Brechkraft vor die Augen, bis eine maximale Sehstärke (Visus) erreicht ist.
  • Objektive Refraktionsbestimmung: Wird durchgeführt wenn eine subjektive Refraktionsbestimmung (beispielsweise bei Kleinkindern) nicht möglich oder unzuverlässig ist.

Die Refraktionsbestimmung bei Weitsichtigkeit sollte unter medikamentöser Lähmung des Ziliarmuskels des Auges erfolgen, da sich der Muskel durch die permanente Anspannung bei geringer oder mittlerer Hyperopie womöglich selbst dann nicht mehr entspannen kann, wenn die Hyperopie durch Plusgläser bereits korrigiert wurde6Augenheilkunde – https://www.doi.org/10.1055/b-006-163269.

Therapie der Weitsichtigkeit

Zur Korrektur der Weitsichtigkeit muss die zu geringe Brechkraft oder der zu kurze Augapfel ausgeglichen werden. Die Korrektur erfolgt über eine Veränderung der Brechkraft, da die Länge des Augapfels nicht beeinflussbar ist. Die fehlende Brechkraft kann durch eine Brille mit Sammellinsen (Plusgläser, Konvexgläser) ausgeglichen werden, die den Verlauf von einfallenden Lichtstrahlen so verändern, dass sich parallel einfallende Strahlen auf der Netzhaut statt dahinter bündeln und so ein scharfes Bild erzeugen.

Der Betroffene darf mit den Brillengläsern nicht überkorrigiert werden, sondern soll das stärkste Plusglas erhalten, das gerade noch ohne Verschlechterung der Sehleistung toleriert wird. Die Fehlsichtigkeit kann auch mit Kontaktlinsen ausgeglichen werden. Durch das Aufliegen an der Hornhaut können Kontaktlinsen das Auge mechanisch reizen oder verändern. Insbesondere weiche Linsen können eine infektiöse Entzündung der Hornhaut (Keratitis) durch Bakterien, Viren und Pilzen begünstigen.

Eine gute Kontaktlinsenpflege und eine ständige augenärztliche Kontrolle sind daher unerlässlich. Eine weitere Option zur dauerhaften Korrektur der Hyperopie ist die refraktive Chirurgie. Refraktionsfehler werden durch eine operative Änderung der Hornhautkrümmung korrigiert.

Bei der Korrektur der Weitsichtigkeit wird eine stärkere Wölbung der Hornhaut durch das Abtragen von Hornhautgewebe in den äußeren Bereichen erzielt. Dadurch nimmt die Gesamtbrechkraft des Auges zu und die Weitsichtigkeit wird korrigiert. Eine solche Operation kann nur durchgeführt werden, wenn der Patient eine ausreichend dicke Hornhaut besitzt. Unter anderem stehen folgende Verfahren der refraktiven Chirurgie zur Verfügung:

  • LASIK (laserassistierte intrastromale In-situ-Keratomileusis): Geeignet zur Korrektur von Hyperopien mit bis zu +3 Dioptrien und Astigmatismus (unterschiedliche Wölbung der Hornhaut) bis 3 Dioptrien.
  • LASEK (laserassistierte epitheliale Keratomileusis): Geeignet für Hyperopien mit bis zu +3 Dioptrien und Astigmatismus bis 3 Dioptrien.
  • PRK (Photorefraktive Keratektomie): Geeignet für Hyperopien mit bis zu +3 Dioptrien und Astigmatismus bis 3 Dioptrien.

Die Auflistung ist nicht vollständig, eine Beratung, für welches Verfahren sich der Betroffene entscheidet, sollte in Abstimmung mit dem behandelnden Augenarzt erfolgen. Als Komplikation bei der refraktiven Chirurgie kann die Hornhaut durch das Abtragen von Gewebe oder durch Einschnitte strukturell so geschwächt werden, dass es zu einer Ausdünnung mit Vorwölbung (Keratektasie) kommt. Nach dem Eingriff können eine reduzierte Empfindlichkeit für Kontraste mit Einschränkungen des Dämmerungs- und Nachtsehens, Glanzeffekte und Lichthöfe auftreten7Augenheilkunde – https://www.doi.org/10.1055/b-006-163269.

Quellen & Verweise[+]

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