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Dipl. Ges. Oec. (FH) Jennifer Ann Steinort

Jennifer Ann Steinort ist Diplom Gesundheitsökonomin (FH) und Medizinjournalistin. Mit ihrer Spezialisierung schreibt sie mittlerweile seit über zehn Jahren Artikel für Gesundheits­plattformen, Nahrungs­ergänzungs­mittel­hersteller und Gesund­heits­dienst­leister.
Dabei gibt Jennifer Ann Steinort Lesenden gerne Tipps für ihren Alltag und zeigt, wie faszinierend der menschliche Körper ist.

Im Alter nimmt die Leistungsfähigkeit des Organismus ab. Das gilt auch für das Gehirn. Doch mit einfachen Tricks können Sie dem Negativtrend entgegenwirken. Wie Gehirntraining die grauen Zellen auf Trab hält und welche Übungen sich optimal für den Alltag eignen.

Was ist Gehirntraining?

Beim Gehirntraining können Anwender ein gezieltes Training durchlaufen, um die geistige Leistungsfähigkeit zu erhalten oder zu steigern. Dabei stehen verschiedene Übungen im Mittelpunkt. Hinter dem Gehirntraining steckt die Idee, das Gehirn wie einen Muskel zu betrachten und es durch regelmäßige Ansprache zu stärken. Tatsächlich sprechen wissenschaftliche Erkenntnisse dafür, dass das Gehirn auch im Alter die Fähigkeit beibehält, neue Nervenzellen zu bilden und zu verknüpfen. Eine Studie zeigte beispielsweise, dass sogar in Gewebeproben von beinahe 90-jährigen Menschen noch neue Nervenzellen enthalten sind1Adult hippocampal neurogenesis is abundant in neurologically healthy subjects and drops sharply in patients with Alzheimer’s disease – https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30911133/.

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Immer dann, wenn Menschen etwas lernen, stellen Nervenzellen im Gehirn Verknüpfungen her. Nach und nach entsteht so ein dichtes Netz. Generell gilt: Je engmaschiger dieses Netz ist, desto umfangreicher ist die geistige Leistungsfähigkeit.

Gehirntraining – vor allem im Alter ein Thema

Das Gehirn von jungen Menschen und Personen im mittleren Lebensabschnitt bewältigt in der Regel jeden Tag komplexe Aufgaben. Dafür sorgen der Weg zur Arbeit, die beruflichen Tätigkeiten und ein abwechslungsreiches Freizeitangebot. Im Alter bleibt die Abwechslung häufig auf der Strecke. Der Alltag hält Einzug und so gibt es oft kaum noch große Herausforderungen. Somit wird das Gehirn nicht mehr so gefordert. Hinzu kommen die organischen Veränderungen, die im Alter ganz normal sind: Das Gehirn ist nicht mehr so stark durchblutet und büßt an Volumen ein2Ageing and the brain – https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16461469/. Durch diese Veränderungen im Alltag und im Körper reduzieren sich die kognitiven Leistungen naturgemäß im Alter. Das bemerken Betroffene vor allem daran, dass ihre Merkfähigkeit abnimmt. Namen, Telefonnummern oder Adressen – hier lässt sie das Gehirn durchaus manchmal im Stich.

Gehirntraining: Übungen im Überblick

Mittlerweile gibt es eine große Auswahl an Übungen, die Unternehmen oft unter dem Namen „Gehirnjogging“ vermarkten. Wer sein Gehirn trainieren möchte, kann die Übungen entweder online durchführen oder ausdrucken. Besonders bequem geht das Gehirntraining mithilfe von Apps auf dem Smartphone.

Gehirntraining im Alter
Gehirntraining im Alter mit Geschicklichkeitsübungen

Zu den typischen Gehirntraining-Übungen zählen:

  • Logikrätsel
  • Knobelaufgaben
  • Sudokus
  • Tests zum Allgemeinwissen
  • Memory-Spiele
  • Wörter suchen
  • Kreuzworträtsel
  • Brainteaser

Was bringt Gehirnjogging wirklich?

Das Ziel beim Gehirntraining ist klar: die regelmäßig durchgeführten Übungen sollen das Gedächtnis stärken und die grauen Zellen fit halten. Doch klappt das tatsächlich? Studien zeigen, dass Menschen, die wiederholt Gehirnjogging betreiben, zwar besser in verschiedenen Übungen wurden, die allgemeine kognitive Leistungsfähigkeit nahm bei ihnen aber nicht zu3Putting brain training to the test – https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20407435/; Do “Brain-Training” Programs Work? – https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27697851/. Das verwundert nicht wirklich, denn ein Training kann mit noch so großen Herausforderungen locken, wenn die Aufgaben stets wiederholt werden, gerät das Gehirn in eine Unterforderung. Kreuzworträtsel, Sudoku und Co. sind also eine gute Ergänzung, zur alleinigen Verknüpfung neuer Nervenzellen bzw. zur Gedächtnissteigerung tragen sie aber nur begrenzt bei.

Abwechslung ist gefragt – so sieht das optimale Gehirntraining aus

Um das Gehirn bestmöglich herauszufordern, braucht es neuen, möglichst kniffligen Input. Glücklicherweise gibt es im Alltag unzählige Situationen, die Senioren gute Vorlagen für das Gehirntraining liefern. Ganz nach dem Motto: „Kreativität anstatt Wiederholungsübungen“ können Senioren ihr ganz eigenes Gehirntraining entwerfen.

1. Gehirntraining im Alter mit Sport

Bewegung verlangt dem Gehirn eine große Leistung ab. Schließlich koordinieren Senioren dabei die Bewegung verschiedener Körperteile. Wer beim Spazierengehen öfter eine neue Route ausprobiert, fördert zusätzlich das Konzentrations- und Erinnerungsvermögen. Günstiger Nebeneffekt: Eine ausreichende Bewegung optimiert die Gehirndurchblutung und hält das Gehirn fit4The neuropathology of sport – https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24366527/.

2. Gehirntraining im Alter mit Hobbys

Hobbys können ganz wesentlich das Gehirn trainieren, indem sie das Gedächtnis und die Konzentrationsfähigkeit im Alter fordern. Wer gerne tanzt, bringt das Gehirn auf Hochtouren – Tanzende müssen gleichzeitig der Musik lauschen, Tanzschritte abrufen und Bewegungen koordinieren. Das geht nur, indem beide Gehirnhälften mitarbeiten. Auch wer musiziert, betreibt aktiv Gehirntraining, denn dabei sind eine starke Konzentration und eine Koordination, beispielsweise von Handbewegungen, gefragt. Natürlich ist auch das Erlernen einer Fremdsprache ein gutes Training, da Lernenden dabei ständig neue Herausforderungen begegnen.

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Egal, ob Kochen, Lesen oder Puzzeln – Hobbys sind das perfekte Gehirntraining. Vor allem dann, wenn die Freizeitbeschäftigungen gemeinschaftlich erfolgen. Soziale Interaktionen können die geistige Fähigkeit laut einer Studie zusätzlich stärken5Social Interaction and Dementia Prevention: Six-year follow-up study – https://www.researchgate.net/publication/269957236_Social_Interaction_and_Dementia_Prevention_Six-year_follow-up_study.

3. Gehirntraining im Alter mit Schlaf

Hierbei handelt es sich weniger um ein aktives Gehirntraining, sondern mehr um eine Notwendigkeit, um das Gehirn fit zu halten. Der Schlaf ist wichtig, denn während der Nachtruhe laufen bedeutende Regenerationsprozesse ab. Das Gehirn verarbeitet das Tagesgeschehen und speichert notwendige Informationen im Langzeitgedächtnis ab. Während der Nacht entledigt sich das Gehirn zellulärer Abfallprodukte. Wer zu wenig schläft, der riskiert, dass die Lernfähigkeit und die Konzentration tagsüber abnehmen. Übrigens haben Wissenschaftler herausgefunden, dass sieben Stunden Nachtruhe einer idealen Schlafdauer entsprechen. Während der Studie zeigte sich, dass eine wesentlich längere oder kürzere Schlafdauer die geistigen Leistungen verschlechterte6The brain structure and genetic mechanisms underlying the nonlinear association between sleep duration, cognition and mental health – https://www.nature.com/articles/s43587-022-00210-2.

Fazit

Wer bis ins hohe Alter geistig fit bleiben möchte, setzt auf Abwechslung. Die Zeitung im Bus verkehrt herum lesen, die Fahrradtour beim nächsten Mal in die andere Richtung planen und Einkaufen ohne Einkaufszettel – beim Gehirntraining sind abwechslungsreiche Herausforderungen oft effektiver als starre Übungen.

Quellen & Verweise[+]

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