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Sören Reinhard

Dr. Sören Reinhard

Dr. Sören Reinhard ist Diplom-Lebensmittel­chemiker mit Berufserfahrung in Industrie und Wissenschaft. Seiner Promotion im Fach Pharmazeutische Biologie in München schloss sich ein Forschungsaufenthalt in den USA im Bereich Bioingenieurwesen an. Seit 2019 arbeitet er als freiberuflicher Autor und behandelt Themen der Gesundheit, Ernährung und Medizin.

Bisoprolol wird bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, insbesondere Hypertonie (Bluthochdruck), zur Entlastung des Herzens bei Herzinsuffizienz, koronarer Herzkrankheit und anderen Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße eingesetzt. Das Medikament gehört zur Wirkstoffgruppe der β-Blocker (Betablocker), spezifischer zu den selektiven β1-Rezeptor-Antagonisten. Einige häufig auftretende Nebenwirkungen sind verlangsamter Herzschlag (Bradykardie), Müdigkeit, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Bisoprolol sollte in der Schwangerschaft nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung angewendet werden, in der Stillzeit wird eine Bisoprolol-Therapie wird nicht empfohlen1Bisoprolol – https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Bisoprolol_21863 – Abgerufen am 11.11.2022.

Anwendung von Bisoprolol

Anwendungsgebiete von Bisoprolol

Bisoprolol ist in Deutschland für Erwachsene für folgende Anwendungsgebiete zugelassen:

  • Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck)
  • Angina pectoris, ein typisches Symptom der koronaren Herzkrankheit mit anfallsartigen Schmerz in der Brust
  • Stabile, chronische, gering bis mäßig ausgeprägte Herzinsuffizienz (Herzschwäche) bei eingeschränkter systolischer linksventrikulärer Funktion zusätzlich zur üblichen Standardtherapie mit ACE-Hemmern und Diuretika und gegebenenfalls Herzglykosiden.

Es gibt keine Therapieerfahrungen mit Bisoprolol in der Pädiatrie. Aus diesem Grund kann eine Anwendung bei Kindern und Jugendlichen nicht empfohlen werden2Fachinformation Concor® 5 mg/10 mg Filmtabletten, Stand Februar 2022 – https://www.fachinfo.de/suche/fi/003991 – Abgerufen am 11.11.2022.

Dosierung und Einnahme von Bisoprolol

Bisoprolol ist im deutschsprachigen Raum unter anderem unter dem Handelsnamen Concor® bekannt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Generika im Handel. Auch Kombinationspräparate, vor allem mit Diuretika (harntreibenden Substanzen) aus der Gruppe der Thiazid-Diuretika, sind erhältlich. Aufgrund der langen Halbwertszeit von Bisoprolol wird der Wirkstoff in nicht-retardierter Form in der Regel als Filmtablette verabreicht. Die Dosierung sollte vom behandelnden Arzt individuell festgelegt werden und richtet sich vor allem nach der Pulsfrequenz und dem bisherigen Behandlungserfolg. Außerdem richtet sich die Dosierung nach dem Anwendungsgebiet. Grundsätzlich sollte die Behandlung mit niedrigen Dosen einschleichend begonnen und langsam gesteigert werden. In der Regel werden die Tabletten 1 mal täglich eingenommen. Bei schwerer Nieren- oder Leberfunktionsstörung ist eine Dosisanpassung erforderlich. In diesen Fällen sollte eine Tagesdosis von 10 mg Bisoprololfumarat nicht überschritten werden3Fachinformation Concor® 5 mg/10 mg Filmtabletten, Stand Februar 2022 – https://www.fachinfo.de/suche/fi/003991 – Abgerufen am 11.11.2022.

Wirkung von Bisoprolol

Wirkmechanismus

Bisoprolol gehört zur Wirkstoffklasse der β-Blocker (Betablocker) und ist ein selektiver β1-Rezeptor-Antagonist. Im Allgemeinen beruht die blutdrucksenkende Wirkung von β-Blockern auf mehreren Mechanismen. Zunächst stehen die Auswirkungen der β-Blocker auf das Herz im Vordergrund. In der Herzmuskulatur wird vor allem der β1-Rezeptor exprimiert. Dieser Rezeptor-Subtyp wird physiologisch durch das Hormon Adrenalin aktiviert. Durch die Blockade von β1-Rezeptoren in der Herzmuskulatur wird die Herzfrequenz, die Geschwindigkeit der elektrischen Leistungsübertragung, die Kontraktilität des Herzmuskels und die Erregbarkeit des Herzens gesenkt. Längerfristig trägt auch die Hemmung der Sympathikusaktivität zur blutdrucksenkenden Wirkung der Betablocker bei. Der Sympathikus und sein Gegenspieler, der Parasympathikus, gehören zum vegetativen Nervensystem. Im Allgemeinen fördert der Sympathikus Funktionen, die den Körper in erhöhte Leistungsbereitschaft versetzen. Betablocker hemmen darüber hinaus die Sekretion des hormonähnlichen Enzyms Renin. Renin ist Teil des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS). Wird das RAAS aktiviert, ist eine Steigerung des Blutdrucks die Folge. Dementsprechend hat die Hemmung dieses Systems einen blutdrucksenkenden Effekt.

Die meisten β-Blocker weisen eine ähnliche chemische Struktur auf. Durch chemische Modifikationen entstanden eine Reihe von β-Blockern, die sich in mehreren Eigenschaften unterscheiden. Ein wichtiger Parameter der Betablocker ist die Selektivität für den β1-Rezeptor, da viele der unerwünschten Wirkungen von Betablockern auf eine Blockade von β2-Rezeptoren zurückgeführt werden. Eine hohe Selektivität für den β1-Subtyp sollte diese Nebenwirkungen reduzieren. Die β1-selektiven Betablocker, zu denen Bisoprolol gehört, zeigen zwar eine gewisse Präferenz für den β1-Rezeptor, jedoch muss auch bei diesen Wirkstoffen mit β2-blockierenden Effekten gerechnet werden, da die Selektivität nur begrenzt ist (10- bis 80-fach). Bisoprolol gehört jedoch zu den Betablockern mit der höchsten Selektivität für den β1-Rezeptor.

Ein weiteres Kriterium ist die Lipophilie der Betablocker. Substanzen werden als lipophil bezeichnet, wenn sie sich gut in Fetten lösen. Positive Effekte bezüglich der Verbesserung der Prognose bei Herzinsuffizienz haben bislang in erster Linie die lipophilen β-Blocker gezeigt, zu denen Bisoprolol zählt. Manche Betablocker haben auch gefäßerweiternde Eigenschaften, die zu einer Senkung des Blutdrucks beitragen können. Dazu zählen eine Blockade von α1-Rezeptoren, eine Stimulation von β2-Rezeptoren oder die Freisetzung von Stickstoffmonoxid (NO). Bisoprolol hat jedoch keine dieser Eigenschaften. Generell sollten lipophile β-Blocker mit einer relativen β1-Selektivität bevorzugt werden. Dennoch wurde kürzlich die Bedeutung der β-Blocker als Blutdrucksenker (Antihypertensiva) der 1. Wahl infrage gestellt. So empfehlen die Leitlinien der britischen und amerikanischen Hochdruckgesellschaften β-Blocker nicht mehr routinemäßig als Medikament der 1. Wahl bei Bluthochdruck. Begründet wird dies damit, dass Betablocker in klinischen Vergleichsstudien im Vergleich zu neueren Blutdrucksenkern schlechter abschnitten. Jedoch wurde in diesen Studien überwiegend der nicht lipophile β-Blocker Atenolol verwendet. Daher bleibt die Frage offen, ob diese Ergebnisse auch auf lipophile β-Blocker übertragbar sind. Betablocker sind bei Menschen mit Bluthochdruck und begleitenden Herzerkrankungen wie chronischer Herzinsuffizienz, Zustand nach Myokardinfarkt (Herzinfarkt) oder koronarer Herzkrankheit nach wie vor wichtige Therapieoptionen4Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie – https://www.doi.org/10.1055/b-006-163246.

Aufnahme und Verteilung im Körper

Bisoprolol unterliegt als lipophiler β-Blocker zwar einem First-Pass-Effekt in der Leber. Das bedeutet, dass der Wirkstoff nach Aufnahme im Magen-Darm-Trakt eine Umwandlung während der ersten Passage durch die Leber erfährt. Dieser beträgt bei Bisoprolol jedoch nur ca. 10% und liegt damit im Vergleich zu Betablockern wie Metoprolol (60%), Propranolol (60%), Carvedilol (60-70%) und Nebivolol (80-90%) relativ niedrig. Einen ähnlich niedrigen First-Pass-Effekt haben die lipophilen Betablocker Celiprolol (10%) und Betaxolol (10%). Bei Therapeutika mit hohem First-Pass-Effekt ist die Bioverfügbarkeit trotz nahezu vollständiger Aufnahme aus dem Darm deutlich reduziert. In diesem Zusammenhang sind Polymorphismen in Genen zu beobachten, die der Metabolisierung von Fremdstoffen dienen. Liegen Defekte in solchen Genen vor, wie bei sogenannten “poor metabolizern” (langsamen Metabolisierern), kann es zu einer relativen Überdosierung der β-Blocker aufgrund des verminderten Abbaus in der Leber kommen. Diese Gefahr ist bei Bisoprolol jedoch kaum relevant. Bisoprolol besitzt darüber hinaus mit 10-12 Stunden eine relativ lange Halbwertszeit im Blut, sodass eine 1 mal tägliche Gabe meist ausreicht5Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie – https://www.doi.org/10.1055/b-006-163246.

Nebenwirkungen von Bisoprolol

Bei den Häufigkeitsangaben zu Nebenwirkungen werden folgende Kategorien unterschieden: Sehr häufig (≥ 10%), häufig (≥ 1% bis < 10%), gelegentlich (≥ 0,1% bis < 1%), selten (≥ 0,01% bis < 0,1%), sehr selten (< 0,01%) und “nicht bekannt”, wenn die Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar ist. Zu den häufigen Nebenwirkungen von Bisoprolol in Darreichungsform der Filmtabletten Concor® zählen:

  • Erkrankungen des Nervensystems: Müdigkeit, Kopfschmerzen und Schwindel. Diese Erscheinungen treten insbesondere zu Beginn der Behandlung auf. Sie sind im Allgemeinen leichterer Art und verschwinden meist innerhalb von 1 bis 2 Wochen.
  • Gefäßerkrankungen: Kältegefühl oder Taubheit in den Extremitäten
  • Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts: Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle (Diarrhoe) und Verstopfung (Obstipation)

Eine weitere wichtige Nebenwirkung ist die Bradykardie, also eine verlangsamte Herzfrequenz6Fachinformation Concor® 5 mg/10 mg Filmtabletten, Stand Februar 2022 – https://www.fachinfo.de/suche/fi/003991 – Abgerufen am 11.11.2022.

Die unerwünschten Wirkungen von Betablockern gehen meist auf eine Blockade von β2-Rezeptoren zurück, die auch bei β1-selektiven β-Blockern aufgrund der unzureichenden Selektivität, insbesondere bei höherer Dosierung, nicht ausgeschlossen werden kann. Durch Blockade der β2-Rezeptor-vermittelten Gefäßerweiterung können in seltenen Fällen auch Potenzstörungen auftreten. Eine länger anhaltende Therapie mit β-Blockern sollte nicht abrupt beendet werden, da die Gefahr eines Absetz-Effektes mit Blutdruckanstieg, schneller Herzfrequenz und Angina pectoris besteht. Als Ursachen gelten eine Zunahme der β-Rezeptoren und eine erhöhte Empfindlichkeit für Adrenalin unter β-Blocker-Therapie7Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie – https://www.doi.org/10.1055/b-006-163246.

Wechselwirkungen und Kontraindikationen von Bisoprolol

Die folgenden Aufzählungen sind nicht vollständig. Bei Einnahme von Bisoprolol sollte stets die Packungsbeilage beachtet und ärztlicher Rat eingeholt werden. Wechselwirkungen sind mit einer Reihe verschiedener Wirkstoffklassen bekannt und diese sollten nicht in Kombination mit Bisoprolol angewendet werden. Dazu gehören:

  • Klasse-I-Antiarrhythmika
  • Calciumantagonisten vom Verapamil-Typ, in geringerem Maße auch vom Diltiazem-Typ
  • Zentral wirksame Antihypertensiva.

Zu den Gegenanzeigen von Bisoprolol zählen:

  • Akute oder dekompensierte Herzinsuffizienz, die eine intravenöse inotrope Therapie erfordert
  • Kardiogener Schock
  • Sinusknotensyndrom
  • Sinuatrialer Block
  • AV-Block 2. oder 3. Grades
  • Symptomatische Bradykardie
  • Symptomatische Hypotonie
  • Unbehandeltes Phäochromozytom
  • Schweres Asthma bronchiale oder andere schwere symptomatische Lungenerkrankungen mit obstruktivem Charakter
  • Schwere Formen der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit oder des Raynaud-Syndroms
  • Metabolische Azidose

Bisoprolol darf in der Schwangerschaft nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung angewendet werden. Im Allgemeinen reduzieren Betablocker die Plazentadurchblutung, was zu Wachstumsverzögerung, intrauterinem Tod, Fehlgeburt und frühzeitigen Wehen führen kann. Daten zum Übertritt von Bisoprolol in die Muttermilch liegen nicht vor. Das Stillen während der Bisoprolol-Therapie wird deswegen nicht empfohlen. Bei der Anwendung von Bisoprolol, besonders nach Start der Therapie, kann es zu Schwindel, Müdigkeit oder Sehverschlechterung kommen, wodurch die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr, zum Bedienen von Maschinen oder zum Arbeiten ohne sicheren Halt beeinträchtigt sein kann8Bisoprolol – https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Bisoprolol_21863 – Abgerufen am 11.11.2022.

Quellen & Verweise[+]

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