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Sören Reinhard

Dr. Sören Reinhard

Dr. Sören Reinhard ist Diplom-Lebensmittel­chemiker mit Berufserfahrung in Industrie und Wissenschaft. Seiner Promotion im Fach Pharmazeutische Biologie in München schloss sich ein Forschungsaufenthalt in den USA im Bereich Bioingenieurwesen an. Seit 2019 arbeitet er als freiberuflicher Autor und behandelt Themen der Gesundheit, Ernährung und Medizin.

Bei Krätze (Skabies, Scabies) handelt es sich um eine durch die Krätzmilbe hervorgerufene hoch ansteckende Hauterkrankung, die durch engen Körperkontakt von Mensch zu Mensch übertragen wird.

Es bilden sich längliche gerötete Knötchen und zum Teil sichtbare Milbengänge, vor allem in den Zwischenfingerfalten der Hände, an den Handgelenken sowie in der Brustwarzen- und Genitalregion. Das Hauptsymptom ist ein starker Juckreiz, der sich vor allem nachts in der Bettwärme verstärken kann.

Die Behandlung erfolgt meist mit Salben, die am gesamten Körper aufgetragen werden, über Nacht einwirken und morgens wieder abgeduscht werden. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann darüber hinaus eine systemische Therapie notwendig sein. Zusätzlich sind hygienische Maßnahmen wie das Waschen der Kleidung und Bettwäsche bei 60 °C und eine Mitbehandlung aller Kontaktpersonen erforderlich1Kurzlehrbuch Dermatologie – https://www.doi.org/10.1055/b-006-149283.

Ursachen und Verbreitung der Krätze

Krätze wird in der Regel durch direkten Haut-zu-Haut-Kontakt mit einer infizierten Person übertragen. Der Kontakt muss meist länger andauern, ein kurzer Händedruck oder eine Umarmung reichen in der Regel für eine Übertragung nicht aus. Die Erkrankung lässt sich dagegen leicht auf Sexualpartner oder Haushaltsmitglieder übertragen.

In manchen Fällen wird Krätze auch indirekt übertragen, beispielsweise durch Gegenstände wie Kleidung, Handtücher oder Bettwäsche einer befallenen Person. Eine solche indirekte Übertragung ist insbesondere dann möglich, wenn die befallene Person von der Sonderform Scabies crustosa (Borkenkrätze) betroffen ist.

Auslöser der Erkrankung ist die Krätzmilbe des Menschen, Sarcoptes scabiei var. hominis. Die Milben graben sich in die obere Hautschicht ein, jedoch nie unter die oberste Schicht der Epidermis, das Stratum corneum. Andere Arten von Krätzemilben können bei anderen Säugetieren wie Hauskatzen, Hunden, Schweinen und Pferden einen Befall verursachen. Milbenarten, die auf anderen Tieren vorkommen, können beim Menschen zwar einen begrenzten Befall mit vorübergehendem Juckreiz verursachen, vermehren sich in der Regel jedoch nicht auf dem menschlichen Wirt.

Die Krätzmilbe durchläuft in ihrem Lebenszyklus vier Stadien: Ei, Larve, Nymphe und Erwachsenenstadium. Die Übertragung erfolgt in erster Linie durch die Weitergabe von befruchteten Weibchen bei Haut-zu-Haut-Kontakt von Mensch zu Mensch.

Die Weibchen legen 2-3 Eier pro Tag ab, wenn sie sich unter die Haut graben. Die Eier sind oval und 0,10 bis 0,15 mm lang und schlüpfen in 3 bis 4 Tagen. Nach dem Schlüpfen der Eier wandern die Larven zur Hautoberfläche und graben sich in das intakte Stratum corneum der Epidermis ein, um kaum sichtbare, kurze Höhlen zu bauen. Das Larvenstadium dauert etwa 3 bis 4 Tage an.

Erwachsene Tiere sind runde, sackartige Milben ohne Augen. Die Weibchen sind 0,30 bis 0,45 mm lang, die Männchen sind nur etwa halb so groß. Nach der Paarung sind die Weibchen für den Rest ihres Lebens fruchtbar. Das befruchtete Weibchen wandert auf der Hautoberfläche umher, bis es eine geeignete Stelle für eine dauerhafte Höhle findet.

Wenn das befruchtete Milbenweibchen eine geeignete Stelle gefunden hat, beginnt es mit dem Bau seines charakteristischen schlangenförmigen Baus und legt dabei Eier ab. Nachdem sich das befruchtete Weibchen in die Haut eingegraben hat, verbleibt es dort und fährt fort, seine Höhle zu verlängern und für den Rest seines Lebens (1-2 Monate) Eier zu legen2Parasites: Scabies – https://www.cdc.gov/parasites/scabies/index.html – Abgerufen am 29.09.2022.

Epidemiologie der Krätze

Krätze ist eine auf der ganzen Welt verbreitete Erkrankung, die Menschen jeden Alters unabhängig von Geschlecht, Ethnie oder Gesellschaftsschicht betreffen kann. Schätzungsweise sind weltweit etwa 300 Millionen Menschen mit Krätzemilben infiziert. Die Häufigkeit kann in der Gesamtbevölkerung bis zu 15% betragen. Genaue epidemiologische Zahlen einzelner Länder liegen nicht vor.

Länder in kühlen Klimazonen weisen höhere Infektionszahlen auf, vor allem in kalten Jahreszeiten. Möglicherweise ist dies auf intensiven Körperkontakt in kalter Umgebung oder auf ein längeres Überleben der Krätzemilben auf Textilien bei niedrigen Temperaturen zurückzuführen.

In manchen Ländern ist Krätze eine endemische Volkskrankheit, die häufig Kinder, vor allem Waisen- und Straßenkinder, betrifft. In manchen Personengruppen beträgt die Häufigkeit der Erkrankung mehr als 70%. In einigen Regionen der Welt ist Krätze vorwiegend mit Armut assoziiert und eine der häufigsten infektiösen Krankheiten überhaupt. In Mitteleuropa tritt die Krätze eher als sporadische Erkrankung oder in Form von Ausbrüchen auf.

Risikogruppen bilden Kinder, Mütter, Menschen mit geschwächtem Immunsystem und sexuell aktive Erwachsene. Ausbrüche kommen vor allem in Einrichtungen vor, in denen mehrere Personen über längere Zeit zusammenleben, betreut oder medizinisch versorgt werden und es dabei regelmäßig zu Haut-zu-Haut-Kontakten kommt.

Beispiele sind Kindergärten, Anstalten für Langzeitbetreuung, Obdachlosenasyle, Haftanstalten, Alters- und Pflegeheime oder Krankenhäuser. Besonders ältere Menschen mit geschwächtem Immunsystem entwickeln häufiger die sehr ansteckende Scabies crustosa, die oft nicht sofort erkannt und dann leicht an Mitmenschen übertragen wird3Krätze (Skabies) – https://www.gelbe-liste.de/krankheiten/kraetze-skabies – Abgerufen am 29.09.2022.

Symptome der Krätze

Wenn eine Person zum ersten Mal von Krätzemilben befallen wird, treten die Symptome in der Regel erst 2 bis 6 Wochen nach dem Befall auf. Jedoch kann eine befallene Person in dieser Zeit die Krätze weiter verbreiten, auch wenn sie keine Symptome hat.

War eine Person zuvor schon an Krätze erkrankt, treten die Symptome häufig viel früher, zum Teil 1 bis 4 Tage nach der Übertragung der Milben auf.

Eine Übertragung ist solange möglich, bis eine infizierte Person erfolgreich behandelt und die Milben und Eier abgetötet wurden. Die häufigsten Symptome der Krätze sind Juckreiz und Hautausschlag. Diese werden durch eine Sensibilisierung, also eine Art allergische Reaktion auf die Milben selbst und deren Kot verursacht. Starker Juckreiz (Pruritus), vor allem nachts, ist das früheste und häufigste Symptom der Krätze. Ein pickelartiger, juckender Hautausschlag ist ebenfalls häufig. Juckreiz und Ausschlag können einen Großteil des Körpers betreffen oder auf häufige Stellen beschränkt sein. Zu den häufig befallenen Stellen gehören:

  • Zwischenräume der Finger
  • Handgelenk
  • Ellenbogen
  • Achselhöhle
  • Genitalien
  • Brustwarzen
  • Taille
  • Gesäß
  • Schulterblätter

Kopf, Gesicht, Hals, Handflächen und Fußsohlen sind bei Säuglingen und Kleinkindern häufig betroffen, bei Erwachsenen und älteren Kindern jedoch in der Regel nicht. Manchmal sind auf der Haut winzige Milbengänge zu sehen, die von der weiblichen Krätzmilbe verursacht werden. Diese Höhlen erscheinen als winzige, erhabene und gekrümmte Linien auf der Hautoberfläche. Da die Zahl der Milben oft gering ist (meist nur 10-15 Milben pro Person), können diese Höhlen schwer zu finden sein. Am häufigsten findet man sie zwischen den Fingern, oder an Hautfalten am Handgelenk, Ellenbogen oder Knie. Mögliche Komplikationen der Krätze sind Kratzer und Hautwunden aufgrund des starken Juckreizes. Die Wunden können sich in der Folge mit Bakterien auf der Haut, wie z. B. Staphylococcus aureus oder Streptokokken, infizieren4Parasites: Scabies – https://www.cdc.gov/parasites/scabies/index.html – Abgerufen am 29.09.2022.

Borkenkrätze (Scabies crustosa)

Die Scabies crustosa (Borkenkrätze) ist eine schwere Form der Krätze, die vor allem ältere Menschen, Personen mit geschwächtem Immunsystem oder Personen mit Erkrankungen oder Einschränkungen, die sie an Jucken, Kratzen und notwendigen Hygienemaßnahmen hindern (Rückenmarksverletzungen, Lähmungen, Gefühlsstörungen, geistige Behinderung), betrifft.

Die Scabies crustosa ist durch Bläschen und dicke Krusten auf der Haut gekennzeichnet, die viele Milben enthalten können. Juckreiz kann bei Scabies crustosa aufgrund des veränderten Immunstatus oder des neurologischen Zustands des Betroffenen ausbleiben. Da sie von einer großen Anzahl von Milben befallen sind (bis zu 2 Millionen), sind Personen mit dieser Form der Krätze sehr ansteckend.

Bei Personen mit Borkenkrätze ist auch der indirekte Weg der Übertragung durch gemeinsam benutzte Gegenstände deutlich wahrscheinlicher5Parasites: Scabies – https://www.cdc.gov/parasites/scabies/index.html – Abgerufen am 29.09.2022.

Diagnose der Krätze

Die Diagnose wird häufig aufgrund der Symptome gestellt. Vor allem bei neu

auftretenden Erkrankungsfällen sollte jedoch ein Nachweis der Milben angestrebt werden. Dies kann über eine Präparation der Haut mit einer Nadel oder in Abschabungen der Haut mit anschließendem mikroskopischem Nachweis erfolgen. Möglicherweise kann der behandelnde Arzt mit einem Dermatoskop oder mittels Videomikroskopie die Milben bei Vergrößerungen von 8 bis 400-fach erkennen und bei ihrer Wanderung beobachten6Skabies (Krätze): RKI-Ratgeber – https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Skabies.html – Abgerufen am 29.09.2022.

Therapie der Krätze

Das oberste Ziel der Therapie ist die Abtötung der Krätzemilben sowie der Larven und Eier. Da Krätzemilben in der Epidermis lokalisiert sind, lassen sie sich in der Regel durch äußerlich aufgetragene Salben mit Wirkstoffen gegen die Milben abtöten.

Weitere Therapieziele bestehen in der Behandlung von Symptomen wie Juckreiz oder Begleitinfektionen. Die gewöhnliche Krätze stellt im Unterschied zu einer Erkrankung an Borkenkrätze (Scabies crustosa) meist keine Indikation für eine stationäre Aufnahme dar. Prinzipiell ist eine Behandlung mit äußerlich aufgetragenen Wirkstoffen in Salben (Antiscabiosa) oder systemisch möglich.

Lokal angewendete Antiscabiosa enthalten Permethrin, Benzylbenzoat und Crotamiton. Ivermectin ist seit Februar 2016 zur Behandlung der Krätze in Deutschland zugelassen und wird oral verabreicht. Die Therapie muss der Krankheitsform, dem Alter, evtl. bestehenden Begleiterkrankungen, Gegenanzeigen und der epidemiologischen Situation angepasst werden. Grundsätzlich ist Permethrin das erste Mittel der Wahl bei äußerlicher Anwendung.

Wenn eine bestimmungsgemäße Anwendung von Permethrin nicht möglich ist, wird Ivermectin oral empfohlen. Wichtige Grundsätze sind die Mitbehandlung aller Personen mit engem persönlichen Kontakt (Familienmitglieder, Sexualpartner) und die Wiederholung der Behandlung in der Regel nach einer Woche. Eine Nachuntersuchung sollte erfolgen, da gegebenenfalls wiederholte Behandlungen notwendig sind7Skabies (Krätze): RKI-Ratgeber – https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Skabies.html – Abgerufen am 29.09.2022.

Quellen & Verweise[+]

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