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Sören Reinhard

Dr. Sören Reinhard

Dr. Sören Reinhard ist Diplom-Lebensmittel­chemiker mit Berufserfahrung in Industrie und Wissenschaft. Seiner Promotion im Fach Pharmazeutische Biologie in München schloss sich ein Forschungsaufenthalt in den USA im Bereich Bioingenieurwesen an. Seit 2019 arbeitet er als freiberuflicher Autor und behandelt Themen der Gesundheit, Ernährung und Medizin.

Unter dem Begriff Makuladegeneration wird überwiegend die Form der altersbezogenen (auch: altersbedingten oder senilen) Makuladegeneration (AMD) verstanden. Dabei handelt es sich um eine fortschreitende Schädigung der Makula, also des Bereichs des schärfsten Sehens auf der Netzhaut des Auges.

Namensgebend ist der entscheidende Mechanismus in der Entwicklung der AMD, nämlich die Alterungsprozesse des Pigmentepithels des Auges. Die AMD ist die häufigste Ursache für eine Erblindung bei über 65-jährigen Menschen. Unterschieden werden die frühe trockene (nicht-exsudative) AMD von der meist später auftretenden feuchten (exsudativen) AMD.

Die feuchte AMD kann durch Blutungen zu einem plötzlichen Verlust der Sehschärfe führen. Eine Heilung oder ein Stopp des Fortschreitens der Erkrankung ist derzeit nicht möglich, auch wenn Lebensstiländerungen und therapeutische Maßnahmen Einfluss auf den Krankheitsverlauf nehmen können. Dennoch ist bei beiden Formen der AMD ein fortschreitender Sehverlust zu erwarten1Augenheilkunde – https://www.doi.org/10.1055/b-006-163269.

Verbreitung und Ursachen der altersbezogenen Makuladegeneration

In Deutschland sind knapp eine halbe Million Menschen von altersbezogener Makuladegeneration im Spätstadium betroffen. Eine AMD in Frühstadien liegt bei fast 7 Millionen Menschen und damit bei mehr als 8% der Bevölkerung vor. In der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen sind es rund 20% und in der Gruppe der 75-84-Jährigen ca. 35%. Frauen und Männer sind in etwa gleich häufig betroffen.

Die AMD ist in Deutschland mit rund 50% die häufigste Ursache für eine schwere Sehbehinderung. Jährlich erblinden rund 5.000 Menschen an den Folgen der Erkrankung. Mit 85% ist die trockene AMD die häufigste Form, die bei 15% der Patienten in die aggressive feuchte (exsudative) Form übergeht. Tritt die feuchte AMD an einem Auge auf, beträgt das Risiko, dass innerhalb von 5 Jahren auch das zweite Auge erkrankt, rund 45%2AMD – https://www.augeninfo.de/offen/index.php?themenseite=AMD – Abgerufen am 29.07.2022.

Die bedeutsamste Ursache für die Entwicklung der AMD sind Alterungsprozesse des Pigmentepithels der Netzhaut. Netzhaut und Pigmentepithel sind beide nur begrenzt regenerationsfähig und damit so alt wie der Mensch selbst. Wichtiger Bestandteil der Netzhaut sind Photorezeptor-Zellen, in denen Lichtreize empfangen und in komplexen biochemischen Prozessen zu elektrischen Signalen umgewandelt werden.

Beim Abbau von Teilen dieser Photorezeptor-Zellen entstehen fetthaltige Materialien, die sich mit weiteren Stoffwechselprodukten im Pigmentepithel der Netzhaut ablagern können. Mit steigendem Alter entstehen mehr dieser Ablagerungen, auch Drusen genannt. Die Ablagerungen führen letztendlich zu zunehmenden Fehlfunktionen beim Sehvorgang. Ein weiterer Faktor der Krankheitsentstehung ist eine Störungen der Durchblutung der Aderhaut des Auges.

Vermutlich als Folge einer Unterversorgung mit Sauerstoff werden Signalstoffe ausgeschüttet, die für die Neubildung von Blutgefäßen sorgen, die sogenannten vaskulären endothelialen Wachstumsfaktoren (vascular endothelial growth factor, VEGF). Diese Wachstumsfaktoren tragen wesentlich zur Entwicklung des späten Stadiums der feuchten AMD bei. Weiterhin ist eine genetische Veranlagung als Risikofaktor bei der Krankheitsentstehung bekannt. Auch intensive Sonneneinstrahlung und Rauchen gehören zu den Risikofaktoren3Augenheilkunde – https://www.doi.org/10.1055/b-006-163269.

Symptome, Formen und Diagnose der altersbezogenen Makuladegeneration

Von AMD betroffene Patienten beklagen eine langsame, kaum merkliche Verschlechterung des Sehens, graue Schatten in der Mitte des Sichtfeldes und Störungen im Farb- und Kontrastsehen. Erkrankte erkennen Details oft besser, wenn sie diese nicht direkt fixieren, sondern leicht daneben schauen.

Bei der feuchten AMD mit vielen Neubildungen von Blutgefäßen ist eine plötzliche Verschlechterung der Sehschärfe aufgrund von Blutungen möglich. Symptome wie Verzerrtsehen (Metamorphopsien) oder verkleinertes oder vergrößertes Sehen (Mikro- oder Makropsie) können als Folge von Flüssigkeitsansammlungen der Makula (Makulaödeme) auftreten.

Das Vorliegen von Blutgefäß-Neubildungen ermöglicht auch eine Einteilung in die zwei Formen der AMD:

  • Trockene (frühe, nicht-exsudative) Degeneration: Diagnostisch werden bei einer Untersuchung des Augenhintergrundes Ablagerungen im Pigmentepithel als gelb-weißliche Drusen gefunden.
  • Feuchte (späte, neovaskuläre, exsudative) Degeneration: Durch Defekte der Bruch-Membran, einer Grenzmembran zwischen der Aderhaut (Choroidea) und dem retinalen Pigmentepithel, dringt Flüssigkeit unter die Netzhaut. Hieraus können Flüssigkeitsansammlungen (Makulaödeme) und eine seröse Netzhautablösung folgen. Neugebildete Blutgefäße können zu Blutungen führen4AllEx: Alles fürs Examen – https://www.doi.org/10.1055/b-003-125875.

Bei rund 20% der Betroffenen schreitet eine trockene AMD zu einer feuchten AMD fort. Im Endstadium entsteht ein aus Blutgefäßen und Bindegewebe bestehendes Narbengewebe, das zu irreversiblen schweren Verlusten der Sehschärfe bis hin zur Erblindung bei 90% der Betroffenen führt5Augenheilkunde – https://www.doi.org/10.1055/b-006-163269.

Therapie der altersbezogenen Makuladegeneration

Eine Heilung oder ein Verhindern des Fortschreitens der AMD ist derzeit nicht möglich. Maßnahmen, die auf eine Veränderung des Lebensstils abzielen (beispielsweise Rauchstopp, die Reduktion von Risikofaktoren für eine Arteriosklerose oder eine optimierte Einstellung des Blutdrucks) beeinflussen den Verlauf jedoch günstig6AllEx: Alles fürs Examen – https://www.doi.org/10.1055/b-003-125875.

Medikamentöse Therapie

Makuladegeneration - Ursachen, Symptome und Behandlung

Bislang gibt es keine sicher wirksame medikamentöse Therapie der trockenen AMD, die rund 90% der Fälle ausmacht. Allerdings gibt es Hinweise, dass eine gezielte und ergänzende Versorgung mit Mikronährstoffen und Antioxidantien das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen kann.

Diese Hinweise wurden im Rahmen von zwei Studien gefunden, die vom US-amerikanischen National Eye Institute (NEI) durchgeführt wurden.

Im Rahmen der Studien AREDS und AREDS2 wurde gefunden, dass eine bestimmte Kombination aus Nahrungsergänzungsmitteln das Risiko eines Fortschreitens von der mittleren zur fortgeschrittenen Form der AMD um 25% reduziert. Die Nahrungsergänzungsmittel verhinderten jedoch nicht das Auftreten einer AMD-Erkrankung an sich.

Auch hatten die Präparate keinen Einfluss auf die Augenerkrankung Grüner Star (Katarakt). Im Rahmen der Studie wurde auch der Einfluss von Omega-3-Fettsäuren auf AMD und Katarakt getestet, jedoch ohne nennenswerten Effekt. Von AMD betroffenen Menschen, die aktuell rauchen oder früher Raucher waren, werden zudem die Nahrungsergänzungsmittel der zweiten Studie AREDS2 empfohlen, da die erste Formulierung der AREDS-Studie beta-Carotin enthielt, was das Risiko für Lungenkrebs erhöhen kann.

Die Formulierung der Nahrungsergänzungsmittel aus AREDS2 besteht aus 500mg Vitamin C, 400 internationalen Einheiten (IU) Vitamin E, 2mg Kupfer, 80mg Zink, 10mg Lutein und 2mg Zeaxanthin7Age-Related Eye Disease Studies (AREDS/AREDS2) – https://www.nei.nih.gov/research/clinical-trials/age-related-eye-disease-studies-aredsareds2 – Abgerufen am 29.07.2022.

Die medikamentöse Therapie der feuchten AMD erfolgt mit Hemmstoffen der Blutgefäßneubildung (VEGF-Hemmer). Sie müssen wiederholt, meist alle vier Wochen, in den Glaskörper injiziert werden8Augenheilkunde – https://www.doi.org/10.1055/b-006-163269.

Lasertherapie und Photodynamische Therapie (PDT)

Im späten, feuchten Stadium der AMD besteht selten die Möglichkeit, die neugebildeten Blutgefäße mit einem thermischen Laser zu veröden. Der Nachteil dieser Methode ist jedoch, dass in 39 – 76% der Fälle innerhalb von 2 Jahren nach Lasertherapie die AMD erneut auftritt.

Eine photodynamische Therapie (PDT) ist ebenfalls im späten, feuchten Stadium möglich, sofern die Gefäßneubildungen unterhalb der Sehgrube der Makula liegen. Im Gegensatz zur Laserbehandlung wird bei der PDT die Netzhaut über den Gefäßneubildungen geschont. Ziel der Behandlung ist, die Sehschärfe bei Betroffenen zu erhalten. Weitere experimentelle Therapieansätze befinden sich noch im Teststadium9Augenheilkunde – https://www.doi.org/10.1055/b-006-163269.

Verlauf und Prognose der altersbezogenen Makuladegeneration

Ohne Therapie verläuft eine AMD chronisch und führt zu fortschreitendem Verlust der Sehschärfe bis hin zur Erblindung. Risikofaktoren für das Fortschreiten sind weiche, große Ablagerungsherde (Drusen) und ein arterieller Bluthochdruck. Betroffene können mit einem Gitterliniennetz selbst eine Verlaufskontrolle durchführen. Über 40% der Patienten mit feuchter AMD an einem Auge entwickeln diese innerhalb von 5 Jahren auch am Partnerauge. Die Prognose der feuchten AMD hat sich durch die medikamentöse Unterdrückung der Gefäßneubildungen deutlich verbessert. Vergrößernde Sehhilfen sollten frühzeitig angepasst werden, um das verbleibende Sehvermögen optimal zu nutzen10Augenheilkunde – https://www.doi.org/10.1055/b-006-163269.

Weitere Formen der Makuladegeneration

Neben der AMD gibt es weitere Formen der Makuladegeneration, die jedoch deutlich seltener sind:

  • Myopische Makuladegeneration (myopischer Fundus, Fundus myopicus): Der myopische Fundus tritt insgesamt selten auf, meist jedoch im Rahmen hochgradiger Kurzsichtigkeit von über – 6 Dioptrien. Ursache sind Veränderungen von Netzhaut, Aderhaut und Bruch-Membran infolge von Dehnung. Ist die Makula betroffen, kommt es zu einer Sehverschlechterung.
  • Medikamentös bedingte Retinopathie: Ebenfalls selten, die Krankheitsentstehung ist abhängig von den betreffenden Medikamenten. Medikamentös bedingte Retinopathien können lange Zeit ohne Symptome verlaufen. Wenn die Makula betroffen ist, kommt es zu einem Verlust der Sehschärfe. Chloroquin, ein Arzneistoff zur Therapie und Prophylaxe der Malaria, führt in Abhängigkeit von der Gesamtdosis (über 250g) zu einer Schädigung der Netzhaut.
  • Dystrophische Netzhauterkrankungen: Makuladystrophien sind erbliche Erkrankungen der Makula, die in der Regel beidseitig auftreten und sich meistens zwischen dem 10. und 30. Lebensjahr manifestieren. Ein Beispiel ist Morbus Stargardt, bei dem es zwischen dem 10. und 20. Lebensjahr zu einer fortschreitenden Verschlechterung der Sehleistung kommt. Bei Morbus Best (vitelliforme Makuladystrophie) ist das Sehvermögen typischerweise zu Beginn der Krankheit kaum eingeschränkt. Die Erkrankung ist ähnlich selten wie der Morbus Stargardt. In beiden Fällen ist keine ursächliche Therapie möglich11Augenheilkunde – https://www.doi.org/10.1055/b-006-163269.

Quellen & Verweise[+]

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