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Vahidin Cerim

Vahidin Cerim

Schreibt seit Jahren leidenschaftlich zu Gesundheits- und Wohlfühlthemen, sowohl on- als auch offline. Hilft mit konkreten Tipps anderen dabei, ein gesünderes Leben zu führen und schlechte Gewohnheiten loszuwerden. Obwohl er auch selbst kaffeesüchtig ist.

Sogenannte periphere Nerven gehören nicht zum Gehirn oder Rückenmark (zentrales Nervensystem), sondern sind Teil des peripheren Nervensystems. Sie sind für Empfindungen wie z. B. die Steuerung von Schmerzen und Muskelbewegungen zuständig. Wenn es an mehreren solcher Nerven zu Schäden kommt, kann es zu Schmerzen und Missempfindungen kommen. Mediziner nutzen für diese Erkrankung den fachsprachlichen Begriff Polyneuropathie1Polyneuropathie – https://www.pschyrembel.de/Polyneuropathie/K0HER – abgerufen am 03.12.2022.

Das Wichtigste im Überblick

  • Symptome: Schmerzen in den betroffenen Körperbereichen (vor allem in den Händen und Füssen), Missempfindungen wie Kribbeln, Ameisenlaufen und Brennen sowie Empfindungsstörungen sind typische Symptome einer Polyneuropathie (PNP). Es können auch Störungen des Temperatur-, Schmerz- oder Berührungsempfindens auftreten.
  • Ursachen und Risikofaktoren: Zu den häufigsten Ursachen einer Polyneuropathie gehören der Alkoholmissbrauch und Diabetes mellitus Typ 2.
  • Krankheitsverlauf: Die Symptome beginnen meistens in den Händen oder Füßen. Wenn die Neuropathie unbehandelt bleibt, intensivieren sich die Symptome häufig.
  • Diagnose: Nach einer umfassenden Anamnese (Krankheitsbild) und Körperuntersuchung folgen Bluttests sowie Untersuchungen mit speziellen Geräten zur Beurteilung der Nervenschädigungen.
  • Vorsorge und Früherkennung: Das Risiko für die Entstehung eines Diabetes mellitus Typ 2 lässt sich durch ausreichend Bewegung und gesunde Ernährung oft eindämmen. Zudem helfen Alkoholabstinenz und die regelmäßige ärztliche Kontrolle, um die eigene Gesundheit im Blick zu behalten.

Was genau ist eine Polyneuropathie?

Unter dem Begriff Polyneuropathie wird eine Gruppe von Krankheiten zusammengefasst, bei denen das periphere Nervensystem geschädigt ist. Auch die Funktion der betroffenen Nerven sind infolge dieser Schädigungen gestört. Weil ganze Nervenstrukturen bzw. mehrere Nerven betroffen sind, wird in der Fachmedizin von Polyneuropathie gesprochen (griechisch poly = viel, mehrere).

Alle Nerven, die außerhalb des Wirbelkanals und des Gehirns liegen, gehören zum peripheren Nervensystem. Damit sind alle Nerven gemeint, die nicht zum Teil des zentralen Nervensystems gehören. Die peripheren Nerven sind dafür zuständig, Empfindungen wie Schmerz oder Kribbeln sowie Muskelbewegungen zu steuern.

Abhängig von der Körperstelle und der Ausprägung der Nervenschäden unterscheiden Fachleute vier Formen der PNP:

Form Merkmale
Symmetrische Polyneuropathie Beide Körperhälften sind durch die Schäden an den Nervenbahnen betroffen.
Asymmetrische Polyneuropathie Nur eine Seite des Körpers ist durch die Erkrankung beeinträchtigt.
Distale Polyneuropathie Nervenschäden in Körperteilen, die von der Körpermitte entfernt liegen (Beine, Füße und Hände).
Proximale Polyneuropathie Die Nervenschäden konzentrieren sich bei dieser seltenen Polyneuropathie-Form auf rumpfnahe Körperbereiche.

Hierbei handelt es sich um eine Einteilung der Polyneuropathien nach Ausfallerscheinungen. Es gibt aber weitere Aufteilungsmöglichkeiten, z. B. nach Innervationsgebiet oder Nervenfasertyp. Wenn eine Neuropathie nicht klassifiziert werden kann, handelt es sich um die idiopathische PNP.

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Polyneuropathie ist eine Schädigung des peripheren Nervensystems und kann zur Beeinträchtigung verschiedener Körperfunktionen führen.

Welche Ursachen führen zu PNP?

Die Ursachen für eine Polyneuropathie2Polyneuropathien – Symptome, Ursachen und Behandlung – https://pflegebox.de/ratgeber/krankheiten/nervenkrankheiten/polyneuropathie/ – abgerufen am 03.12.2022 können sehr unterschiedlich sein, wobei eine Diabetes mellitus Erkrankung (Diabetische PNP) sowie der Alkoholkonsum (Alkoholtoxische PNP) zu den Hauptursachen gehören.

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Die häufigsten Ursachen der toxischen Polyneuropathie sind Alkohol und Diabetes.

Eine Polyneuropathie kann akut oder chronisch verlaufen, wobei die folgenden Ursachen die häufigsten sind:

  • Toxische Ursachen: Alkohol, Medikamente (z. B. Chemotherapeutika), Diabetes mellitus, Mangelernährung, Schwermetalle
  • Entzündliche Ursachen: Kollagenosen oder Vaskulitiden
  • Infektiöse Ursachen: Influenza, Borreliose, HIV
  • Im Rahmen einer Krebserkrankung, z. B. beim Lungenkarzinom

Die jeweilige Ursache für die Entstehung einer Polyneuropathie ist wichtig für die Behandlung der Erkrankung, um die Beschwerden sowie das Fortschreiten der Nervenschädigungen rechtzeitig zu reduzieren.

Diabetische Polyneuropathie

Die meisten Patienten mit Diabetes mellitus leiden auch unter der sogenannten diabetischen Neuropathie. Im Krankheitsverlauf können die peripheren Nerven durch die dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerte geschädigt werden. Somit ist eine konsequente Blutzuckereinstellung für die Prävention der Erkrankung entscheidend.

Meistens zeigt sich diese Polyneuropathie in Form von beidseitigen Sensibilitätsstörungen an den Extremitäten. Brennende Schmerzen, vor allem in der Nacht, sind das Hauptmerkmal der diabetischen PNP. Aber auch die autonomen Nerven können im Krankheitsverlauf geschädigt werden.

Alkoholtoxische Polyneuropathie

Ungefähr 40 % der Fälle einer Polyneuropathie entfallen auf die alkoholische Polyneuropathie, denn der chronische Alkoholkonsum führt zu Schädigungen an den Nerven. Wadenkrämpfe, brennende Schmerzen (vor allem in der Nacht) und symmetrische Sensibilitätsstörungen der Extremitäten sind typische Beschwerden der alkoholischen Polyneuropathie. Häufig kommt es auch zu einer Veränderung der Haut (starke Pigmentierung) und einer Rückbildung der Unterschenkelmuskulatur.

Paraneoplastische Polyneuropathie (PNS)

Auch im Rahmen einer Krebserkrankung kann eine Polyneuropathie auftreten, die als paraneoplastische Polyneuropathie bezeichnet wird. Die Erkrankung tritt besonders häufig bei Menschen mit Lungenkrebs auf, vor allem mit kleinzelligem Bronchialkarzinom. Polyneuropathien können aber auch durch eine Bestrahlung oder durch die Chemotherapeutika im Rahmen der Behandlung einer Krebserkrankung ausgelöst werden. Denn die verabreichten Medikamente können eine toxische Wirkung auf die Nerven haben.

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Eine Polyneuropathie kann durch toxische, infektiöse und entzündliche Ursachen ausgelöst werden, aber auch im Rahmen einer Krebserkrankung auftreten.

Welche Symptome treten bei einer Polyneuropathie auf?

Eine PNP kann unterschiedliche Nervenarten betreffen:

  • die sensiblen Nerven (registrieren unter anderem Temperatur- und Schmerzreize, Druck sowie Berührungen)
  • die motorischen Nerven (steuern die Muskelbewegungen)
  • die autonomen Nerven (kontrollieren Stoffwechselvorgänge, Verdauung, Atmung oder Puls)

Die Art sowie der Schwierigkeitsgrad der Symptome einer Polyneuropathie äußert sich abhängig davon, welche Nerven geschädigt sind.

Symptome bei Schädigung sensibler Nerven

Polyneuropathie – Ursachen, Symptome und Behandlung

Die sogenannten sensiblen Nerven werden durch die Mehrzahl der Polyneuropathien beeinträchtigt. Oft treten erste Beschwerden an Fingern und Zehen auf und machen sich durch stechende Schmerzen, Taubheitsgefühl, Brennen oder Kribbeln bemerkbar. Der Tastsinn sowie die Rückmeldung der Nerven auf Temperatur und Druck sind eingeschränkt. Die Symptome treten oft spiegelbildlich auf beiden Körperseiten auf.

Meistens treten an den Gliedmaßen weitere typische Symptome auf:

  • Burning-Feet-Syndrom (brennende Schmerzen in den Füßen)
  • Körperteile fühlen sich geschwollen an
  • Unangenehmes Kribbeln, wie Ameisen auf der Haut
  • Gangunsicherheit, besonders bei geschlossenen Augen
  • Eingeschränktes Tastgefühl
  • Ausbleibendes Schmerzgefühl bei Verletzungen
  • Stechende Schmerzen
  • Anhaltendes Kribbeln
  • Körperteile fühlen sich abgeschnürt an
  • Eng- oder Druckgefühl

Symptome bei Schädigung motorischer Nerven

Die Schädigungen an motorischen Nerven sind seltener als bei den sensiblen. Dabei reichen die Symptome von Bewegungseinschränkungen bis zu Lähmungen, wobei der Muskel gar nicht mehr aktiviert und angesteuert werden kann.

Weitere typische Beschwerden sind:

  • Muskelschwund
  • Muskelschwäche, verminderte Belastungsfähigkeit
  • Anhaltendes Kribbeln
  • Krämpfe der Muskulatur
  • Unwillkürliches Zucken von Muskelpartien

Symptome bei Schäden autonomer Nerven

Bei einer Polyneuropathie, bei der die autonomen Nerven geschädigt sind, können alle Körperfunktionen gestört sein, die nicht der willentlichen Steuerung unterliegen. So hat der Betroffene z. B. Verdauungsstörungen, wenn der Magen-Darm-Trakt betroffen ist.

Je nach dem Organ, das im Rahmen einer autonomen Nervenschädigung betroffen ist, können folgende Symptome auftreten:

  • Herabgesetzte Schweißbildung
  • Impotenz
  • Wassereinlagerungen im Körper
  • Geschwüre
  • Blutdruckschwankungen
  • Herzrasen oder Herzrhythmusstörungen
  • Schluckstörungen
  • Ausbleibender Pupillenreflex
  • Ohnmacht
  • Schwindel
  • Störungen bei der Entleerung der Blase
  • Magenlähmung
  • Verstopfung oder Durchfall
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Die auftretenden Symptome bei einer Polyneuropathie unterscheiden sich grob nachdem, welche Nerven (sensible, motorische oder autonome) von der Erkrankung betroffen sind.

Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten einer PNP

Im Zentrum der Behandlung einer Polyneuropathie steht die Bekämpfung der wahrscheinlichen Ursache, die zur Entwicklung der Erkrankung geführt hat. Wenn dies gelingt, sehen die Heilungschancen gut aus. Da die häufigsten Ursachen für eine Polyneuropathie Diabetes mellitus Typ 2 und der Medikamenten- oder Alkoholkonsum sind, gilt Folgendes:

  • Wenn Diabetes über viele Jahre die Nerven schleichend attackiert hat, muss der Betroffene zunächst seine Blutzuckerwerte verbessern und in den Griff bekommen. Nur dadurch kann die Nervenschädigung gestoppt werden. Hierbei ist jedoch Vorsicht geboten, denn eine zu schnelle Senkung der Blutzuckerwerte kann auch zu weiteren Nervenschäden führen.

    Daher gilt es als optimal, wenn der HbA1c-Wert um weniger als 2 % über einen Zeitraum von 3 Monaten sanft gesenkt wird. Bei Altersdiabetes wird eine Umstellung des Lebensstils mit viel Bewegung und Gewichtsreduktion empfohlen. Zusätzlich können Medikamente Gefühlsstörungen und Schmerzen lindern.

  • Sind Medikamente oder Alkohol die Ursache für die Polyneuropathie, hilft ein Wechsel der genutzten Arzneimittel bzw. eine Abstinenz. Vitamin B1 kann bei einer alkoholbedingten Polyneuropathie die Regeneration der peripheren Nerven zusätzlich fördern.

Die Behandlung kann bei anderen Formen der Polyneuropathie deutlich schwieriger sein3Polyneuropathie: Symptome, Diagnose und Behandlung – https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Polyneuropathie-Symptome-Diagnose-und-Behandlung,polyneuropathie120.html – abgerufen am 03.12.2022. So wird aufgrund mangelnder eindeutiger Ursachen eine entzündliche Polyneuropathie mit Schmerzmitteln und Kortison behandelt, um die Beschwerden zu lindern.

Dabei sind folgende Therapien möglich:

  • Physikalische Therapie, Medikamente gegen Krampfanfälle und Antidepressiva haben sich in vielen Fällen in Sachen Schmerzbekämpfung gut bewährt.
  • Naturheilverfahren: In den Anfangsphasen der Krankheit, wenn das Kribbeln beginnt, können auch Naturheilverfahren helfen oder zumindest Linderung verschaffen.
  • Capsaicin in Form von Pflastern auf der Haut hat sich als erfolgversprechendes Therapiemittel gegen Polyneuropathie erwiesen. Dieses Mittel ist nicht nur für die Schärfe der Chilischoten verantwortlich, sondern regt die Neubildung kleiner Nervenfasern an, steigert die Durchblutung und betäubt den schmerzenden Bereich.
  • Elektrotherapie durch Impulse: Hier werden die Nerven durch Impulse stimuliert, damit die Betroffenen ein leichtes Kribbeln anstatt Schmerzen spüren.
  • Fußreflexzonenmassage mit scharfen Salben hat sich bei Empfindungsstörungen und Schmerzen in den Füßen gut bewährt.
  • Physiotherapie und viel Bewegung, darunter Gehtraining und Aquagymnastik, können die medikamentöse Behandlung unterstützen und dabei helfen, eine Polyneuropathie in Griff zu halten.
  • Akupunktur: Eine Studie an Krebserkrankten zeigt, dass eine Akupunktur nach einer Chemotherapie die Nerven schützen kann4Mit Nadeln gegen Nervenschmerzen – https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2020/daz-44-2020/mit-nadeln-gegen-nervenschmerzen 03.12.2022. Obwohl bei fast allen Betroffenen die Krebsmedikamente zu einer Polyneuropathie führen, gelang es in der Studie, mit Akupunktur die Schädigung der Nerven bei zwei Dritteln der Probanden zu verhindern.
  • Gleichgewichtstraining in der Physiotherapie wirkt gegen die fortschreitende Gangunsicherheit. Dadurch kann das Fortschreiten der Gangstörung eingedämmt sowie gefährliche Stürze verhindert werden.
  • Yoga: Durch Körperbeherrschung mittels Übungen können Nervenschäden ausgeglichen werden.
  • Fußtraining: Gang-/Standübungen und Barfußlaufen regen die Nerven und somit die Durchblutung in Füßen an.
  • Positives Denken: Die Widerstandsfähigkeit kann durch eine optimistische Sichtweise gestärkt werden.
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Die Behandlungen müssen dauerhaft und ohne Pausen durchgeführt werden, ansonsten wird der Behandlungserfolg schnell beeinträchtigt. Leider müssen Betroffene viele der ambulanten Leistungen selbst bezahlen.

Quellen & Verweise[+]

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