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Vahidin Cerim

Vahidin Cerim

Schreibt seit Jahren leidenschaftlich zu Gesundheits- und Wohlfühlthemen, sowohl on- als auch offline. Hilft mit konkreten Tipps anderen dabei, ein gesünderes Leben zu führen und schlechte Gewohnheiten loszuwerden. Obwohl er auch selbst kaffeesüchtig ist.

Als akutes Nierenversagen bezeichnen Mediziner das plötzliche und vorübergehende Ausbleiben der Nierenfunktion. Es gehört zu den häufigen Komplikationen bei Patienten in der Intensivtherapie und nach großen Operationen1Akutes Nierenversagen und Nierenersatztherapie – https://wehrmed.de/humanmedizin/akutes-nierenversagen-nierenersatztherapie.html – abgerufen am 08.12.2022 und erfordert eine dringende Behandlung, da es sich in den meisten Fällen um einen Notfall handelt.

Akutes Nierenversagen kann innerhalb weniger Tage oder gar weniger Stunden auftreten und den Betroffenen in einen lebensbedrohlichen Zustand versetzen, wenn nicht rasch gehandelt wird.

Die genauen Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten des akuten Nierenversagens sowie mögliche Präventionsmaßnahmen werden im Anschluss aufgegriffen.

Was ist akutes Nierenversagen und wie verläuft es?

Akute Nierenschädigung (engl. acute kidney injury, abgekürzt AKI), auch bekannt als akutes Nierenversagen (eng. acute renal failure, abgekürzt ARF), ist eine plötzliche Episode von Nierenversagen oder Nierenschäden, die innerhalb weniger Stunden oder Tage auftritt.

AKI verursacht eine Ansammlung von Abfallprodukten im Blut und erschwert es den Nieren, das richtige Flüssigkeitsgleichgewicht im Körper aufrechtzuerhalten. Die Filtrationsleistung der Nieren bzw. das von den Nieren gefilterte Flüssigkeitsvolumen nimmt rasant und plötzlich ab.

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Als Folge eines akuten Nierenversagens kommt es zu einer Anreicherung von giftigen Substanzen im Blut des Betroffenen, die unter normalen Bedingungen und bei einem gesunden Menschen über den Urin ausgeschieden werden. Diese Substanzen sind Harnstoff und Kreatinin, die im Blut angesammelt zu einer Urämie oder allmählichen Harnvergiftung führen.

Akutes Nierenversagen kann auch andere Organe wie Gehirn, Herz und Lunge betreffen, daher stellt dieser Gesundheitszustand immer einen Notfall dar und gilt als potenziell lebensbedrohlich.

Grundsätzlich ist ein akutes Nierenversagen reversibel, was bedeutet, dass sich die Nieren auch nach einem vollständigen und akuten Funktionsverlust erholen können. Dies gilt jedoch nicht für alle Betroffenen. Ein chronisches Nierenversagen ist dagegen irreversibel.

Stadien des akuten Nierenversagens

Akutes Nierenversagen und die Erholung der Nierenfunktion verläuft durch vier Hauptstadien:

  • Schädigungsphase (Initialphase): Dauert von wenigen Stunden bis hin zu einigen Tagen und es bestehen zunächst keine Symptome.
  • Oligo-Phase: In dieser Phase nimmt die ausgeschiedene Urinmenge ab, bis die Urinausscheidung vollständig aufhört. Diese Phase dauert durchschnittlich zehn Tage.
  • Polyurische Phase: Dies ist die Phase, in der sich die Nieren erholen und sie ist durch eine erhöhte Urinproduktion gekennzeichnet, nicht selten von mehr als fünf Liter pro Tag. Es besteht somit die Gefahr von Flüssigkeitsverlust und Verlust von wichtigen Elektrolyten wie Kalium und Natrium.
  • Wiederherstellungsphase: Im letzten Stadium erholen sich die Nierenzellen und es kommt zur Wiederherstellung der Nierenfunktion. Die Erholungsphase dauert bis zu zwei Jahre.

Was sind die Ursachen für akutes Nierenversagen?

In der Intensivmedizin lässt sich oft keine isolierte Ursache der akuten Nierenschädigung ausmachen2https://www.ai-online.info/images/ai-ausgabe/2011/10-2011/2011_10_757-770_Akutes%20Nierenversagen%20%20in%20der%20Intensivmedizin.pdf – Akutes Nierenversagen in der Intensivmedizin – abgerufen am 08.12.2022. Mediziner unterscheiden drei verschiedene Formen von Ursachen, je nachdem ob es sich um ein prärenales, intrarenales oder postrenales Nierenversagen handelt.

Prärenales Nierenversagen

Prärenal bedeutet, dass die Ursache „vor“ den Nieren liegt und dass die Nieren nicht mehr ausreichend durchblutet werden. Mögliche Auslöser des prärenalen akuten Nierenversagens sind z. B.:

  • Herzerkrankungen wie Herzinsuffizienz oder Herzinfarkt
  • Lungenembolie
  • Blutungen bei einer Verletzung oder Operation
  • Verbrennungen
  • schwere Entzündungen mit Kreislaufversagen
  • Blutvergiftungen

Intrarenales Nierenversagen

Intrarenal bedeutet, dass die Ursache in den Nieren selbst liegt und es zu krankhaften Veränderungen in den Nierengefäßen oder im Nierenbindegewebe gekommen ist. Zu möglichen Auslösern zählen:

  • Medikamente
  • Geschwächtes Immunsystems
  • Entzündungen und Infektionen
  • Vergiftungen

Postrenales Nierenversagen

Bei der postrenalen Form liegt die Ursache „hinter“ den Nieren. So kann es durch eine Abflussbehinderung in der Harnblase oder im Harnleiter zum Rückstau von Harn kommen, wofür es folgende Ursachen geben kann:

  • Harnsteine
  • Tumore
  • Vergrößerung der Prostata
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Die häufigste Ursache vom akuten Nierenversagen sind Blut- und Flüssigkeitsverluste z. B. durch Unfälle, große Operationen oder Verbrennungen. Es kann aber auch durch den Einsatz bestimmter Medikamente wie Antibiotika, Röntgenkontrastmittel oder ACE-Hemmer zu Veränderungen der Nierendurchblutung kommen, die zu einem akuten Nierenversagen führt.

Welche Symptome treten bei akuten Nierenschäden auf?

Akutes Nierenversagen – Ursachen, Symptome und Behandlung

Bei akutem Nierenversagen treten verschiedene und unspezifische Symptome auf, die im Prinzip auch bei anderen Krankheiten auftreten können. Das Hauptsymptom, das auf die Möglichkeit eines akuten Nierenversagens hinweist, ist eine vergleichsweise kleine Menge an Urin, die der Körper ausscheidet. Die Ansammlung von Urin im Körper kann wiederum weitere Symptome verursachen, die vom jeweiligen Stadium der Krankheit abhängen.

Die verminderte Urinausscheidung führt zur Flüssigkeitsansammlung im Gewebe, die als Ödem bezeichnet wird. Das Wasser sammelt sich zunächst in den Beinen an. Später sammelt sich das Wasser, das die Nieren nicht mehr ausscheiden können, auch in anderen Organen an. Eine Flüssigkeitsansammlung in der Lunge (Lungenödem) führt beim Patienten zu Atemnot.

Akutes Nierenversagen verändert auch die Zusammensetzung der Blutsalze. Zunächst wird die Erhöhung des Kaliumwerts hervorgehoben. Die sogenannte Hyperkaliämie führt zu lebensbedrohlichen Situationen wie Herzrhythmusstörungen, Schwindel und Bewusstlosigkeit.

Die jeweilige Ursache der Niereninsuffizienz wirkt sich auch auf die Symptome aus. So treten bei prärenaler Niereninsuffizienz Symptome wie Flüssigkeitsmangel (z. B. Durst, niedriger Blutdruck oder trockene Schleimhäute) auf. Einige Betroffene leiden unter Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall. Im Gegensatz zu prärenaler Niereninsuffizienz kommt es bei einem postrenalen Nierenversagen zu Schmerzen im Unterbauch.

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Akutes Nierenversagen beginnt mit unspezifischen Symptomen wie Übelkeit, schneller Ermüdung oder Konzentrationsstörungen. Der Harndrang wird reduziert, sodass die Betroffenen weniger häufig urinieren müssen. Wasseransammlungen im Körper sind ein klares Anzeichen der akuten Niereninsuffizienz.

Diagnose einer akuten Nierenschwäche

Abhängig von der Ursache der akuten Nierenschädigung können verschiedene Tests durchgeführt werden, um ein akutes Nierenversagen nachzuweisen, wie z. B.:

  • Messung der Urinausscheidung: Der Arzt verfolgt, wie viel Urin der Patient täglich abgibt.
  • Urinanalyse: Urin wird im Labor untersucht, um Anzeichen von Nierenversagen zu finden.
  • Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen helfen dabei, die Werte von Kreatinin, Harnstoff, Stickstoff, Phosphor und Kalium zu ermitteln. Zudem sollten Blutuntersuchungen auf Protein durchgeführt werden, um die Nierenfunktion zu untersuchen.
  • GFR: Eine Analyse der Blutwerte hilft auch dabei, die GFR (glomeruläre Filtrationsrate) zu ermitteln, um die Abnahme der Nierenfunktion abzuschätzen.
  • Bildgebende Tests: Bildgebende Verfahren wie z. B. Ultraschall können dem Arzt helfen, die Nieren zu betrachten und nach Auffälligkeiten zu suchen.
  • Nierenbiopsie: Bei der Biopsie wird ein winziges Stück der Niere mit einer speziellen Nadel entfernt und unter einem Mikroskop analysiert.

Behandlung einer akuten Nierenschädigung

Eine akute Nierenschwäche lässt sich durch harntreibende Medikamente (Diuretika) oder Einlage eines Katheters ins Nierenbecken behandeln und erfordert normalerweise einen Aufenthalt im Krankenhaus. Viele Betroffene sind jedoch bereits aus einem anderen Grund im Krankenhaus. In schwerwiegenden Fällen kann eine Dialyse erforderlich sein, um die Nierenfunktion zu ersetzen, bis sich die Nieren erholt haben.

Nach einem akuten Nierenversagen sind die Chancen für andere Gesundheitsprobleme (z. B. Nierenerkrankungen, Schlaganfall, Herzerkrankungen) oder eine erneute AKI in der Zukunft höher. Um den Gesundheitszustand der Nieren im Auge zu behalten und sich selbst zu schützen, sollte die Nierenfunktion und -genesung regelmäßig kontrolliert werden.

Prognose bei akuter Niereninsuffizienz

Der Schweregrad dieser Erkrankung ist von Patient zu Patient unterschiedlich und somit unterscheiden sich auch die Prognosen. Bei manchen Patienten sind die Nieren geschädigt, verlieren jedoch nicht vollständig ihre Funktion. Ihre Laborbefunde weisen zwar auf Veränderungen hin, doch die veränderten Werte verursachen keine Symptome.

Andererseits kommt es bei manchen Patienten zu einem kompletten Nierenversagen, bei dem der Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt entgleisen und eine Dialyse notwendig ist. Dementsprechend ist die Prognose bei Nierenversagen unterschiedlich und sie hängt vor allem von der Schwere der Haupterkrankung ab.

Leider bleiben zehn Prozent der Betroffenen Dialyse abhängig. Zudem besteht nach Nierenversagen ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Die Prognose für Patienten auf der Intensivstation ist deutlich schlechter und die Sterblichkeit bei akutem Nierenversagen ist mit 60 % recht hoch.

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Wenn ein akutes Nierenversagen rechtzeitig diagnostiziert und behandelt wird und der Organismus des Patienten nicht zuvor durch andere Erkrankungen geschwächt ist, stellt sich die Nierenfunktion unter Umständen wieder her, manchmal sogar vollständig. Die Prognose hängt allerdings vor allem von der Schwere der Haupterkrankung ab.

COVID-19-Patienten haben ein erhebliches Risiko für die Entwicklung eines Nierenversagens

Ein umfassender Bericht3Akutes Nierenversagen bei COVID-19 – https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7735648/ abgerufen am 01.12.2022 zeigte, dass Menschen, die mit COVID-19 ins Krankenhaus eingeliefert wurden, doppelt so häufig an akutem Nierenversagen erkrankten wie Nicht-COVID-Patienten. AKI scheint auch ein Marker für die Schwere der COVID-19-Infektion zu sein, und die Sterblichkeitsrate ist bei diesen Patienten höher.

Verschiedene COVID-19-bezogene Wirkungen, von denen angenommen wird, dass sie zur AKI beitragen, umfassen Nierenverletzungen (akute Tubulusnekrose) mit septischem Schock, Mikroentzündung, erhöhte Blutgerinnung und wahrscheinliche direkte Infektion der Niere.

Die meisten Patienten mit COVID-19-bedingter Niereninsuffizienz, die sich erholen, haben nach der Entlassung aus dem Krankenhaus weiterhin eine eingeschränkte Nierenfunktion.

Prävention einer akuten Nierenschädigung

Ein akutes Nierenversagen lässt sich nicht vollständig verhindern. Während und nach chirurgischen Eingriffen überwachen die Ärzte das Blutvolumen, den Blutdruck sowie den Flüssigkeitsspiegel, um das Risiko eines Nierenversagens zu minimieren.

Viele Medikamente verursachen Nierenschäden und ihre Anwendung kann zur Entwicklung eines akuten Nierenversagens führen. Zur Gruppe solcher Medikamente gehören auch diejenigen, die oft rezeptfrei in Apotheken gekauft werden können, wie Ibuprofen, Paracetamol oder Diclofenac.

Daher ist es wichtig, vor der Anwendung der Medikamente einen Arzt zu konsultieren. Dies gilt insbesondere für Menschen, die bereits an bestimmten Nierenerkrankungen leiden, da sie eine besondere Risikogruppe für die Entwicklung einer akuten Niereninsuffizienz darstellen.

Auch die richtige Ernährung4Enterale und parenterale Ernährung von Patienten mit Niereninsuffizienz – https://www.dgem.de/sites/default/files/PDFs/Leitlinien/S1-Leitlinien/073-009l_S1_Ern%C3%A4hrung_enteral_parenteral_Niereninsuffizenz_2015-01.pdf – abgerufen am 29.11.2022 spielt bei der Behandlung des akuten Nierenversagens eine bedeutungsvolle Rolle.

So sollte sich der Betroffene kalium-, natrium- und eiweißarm ernähren und Lebensmittel wie Nüsse, Müsli, Wurst, Eigelb, Vollkornbrot, Milch oder Joghurt vermeiden. Bei Flüssigkeiten ist der Konsum von Wasser, Tee und Kaffee empfohlen, während auf Coca-Cola, Alkoholgetränke, Instantgetränke und Milch lieber verzichtet werden sollte.

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Die beste Möglichkeit, das Risiko einer Nierenschädigung zu verringern bzw. die eingeschränkte Nierenfunktion wiederzuerlangen, besteht darin, eine akute Nierenschädigung zu verhindern oder sie so früh wie möglich zu erkennen und zu behandeln.

Quellen & Verweise[+]

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