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Sören Reinhard

Dr. Sören Reinhard

Dr. Sören Reinhard ist Diplom-Lebensmittel­chemiker mit Berufserfahrung in Industrie und Wissenschaft. Seiner Promotion im Fach Pharmazeutische Biologie in München schloss sich ein Forschungsaufenthalt in den USA im Bereich Bioingenieurwesen an. Seit 2019 arbeitet er als freiberuflicher Autor und behandelt Themen der Gesundheit, Ernährung und Medizin.

Die Arteriosklerose ist die mit Abstand häufigste Arterienerkrankung und zeichnet sich durch eine Verdickung und Verfestigung der Wände von Arterien aus. Als Arterien werden Blutgefäße bezeichnet, die Blut vom Herzen weg in den Körper transportieren. Bei den Ursachen der Erkrankung wird zwischen nicht beeinflussbaren (z.B. Alter und erblichen Faktoren) und beeinflussbaren Risikofaktoren wie Rauchen und arteriellem Bluthochdruck unterschieden.

Arteriosklerose kann zahlreiche schwerwiegende Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder andernorts auftretende akute Gefäßverschlüsse (z. B. akute Verschlüsse von Organ- oder Extremitätenarterien) nach sich ziehen1Kurzlehrbuch Pathologie – https://www.doi.org/10.1055/b-007-167433.

Bereits aufgetretene arteriosklerotische Veränderungen der Blutgefäße sind in der Regel nicht mehr umkehrbar. Daher sind vorbeugende Maßnahmen und therapeutische Ansätze gefragt, die verhindern, dass die Arteriosklerose fortschreitet oder Folgeerkrankungen entstehen. Zu den Allgemeinmaßnahmen zählen Gewichtsnormalisierung, ausreichende Bewegung, gesunde Ernährung und eine Raucherentwöhnung.

Nach ärztlicher Konsultation kann auch eine medikamentöse vorbeugende Therapie oder eine Therapie bereits eingetretener arteriosklerotischer Folgeerkrankungen erfolgen2Checkliste Innere Medizin – https://www.doi.org/10.1055/b-006-160286.

Verbreitung, Ursachen und Risikofaktoren der Arteriosklerose

Die Arteriosklerose betrifft im fortgeschrittenen Alter praktisch jeden Menschen mit mehr oder weniger starker Ausprägung. Die Ursachen und die Mechanismen der Krankheitsentstehung sind trotz intensiver Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet noch immer nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass zahlreiche Faktoren zur Entstehung der Arteriosklerose beitragen.

Letztendlich kommt es zu einer Wandverdickung und Verhärtung von Arterien, also den aus Schichten aufgebauten Blutgefäßen, die Blut vom Herzen weg transportieren. Auf mikroskopischer Ebene sind dafür Ablagerungen von Fetten und Bestandteilen des Bindegewebes in der innersten Schicht der Blutgefäße, der sogenannten Intima verantwortlich. Diese Einlagerungen werden Atherome genannt, woraus sich der Begriff Atherosklerose ableitet, der von manchen Autoren als gleichbedeutend mit Arteriosklerose verwendet wird.

Die Erkrankung kann sich auch auf die mittlere Schicht der Arterien, die sogenannte Media ausbreiten. Im Bereich der Ablagerungen in der Gefäßwand kommt es zu einer Verdickung und Verhärtung, was zu einer Minderdurchblutung der nachfolgenden Geweben führen kann. Die Atherome können schlussendlich reißen und zu kompletten Gefäßverschlüssen mit zum Teil lebensbedrohlichen Folgen führen. Da bereits aufgetretene Ablagerungen in den Gefäßen in der Regel irreversibel sind, gilt es besonders, Risikofaktoren zu vermeiden oder zu reduzieren. Man kann beeinflussbare von nicht beeinflussbaren Risikofaktoren unterscheiden. Zu den nicht beeinflussbaren Risikofaktoren zählen:

  • Alter: Arteriosklerose tritt bei höherem Lebensalter bei fast jedem Menschen mehr oder weniger stark ausgeprägt auf, sodass man auch von einem degenerativen Alterungsprozess sprechen könnte.
  • Genetische Veranlagung: Erhöhtes Risiko bei bestimmten Genvarianten von Apolipoproteinen, also Proteinen die als Transportvehikel für die sonst wasserunlöslichen Blutfette (Triglyzeride und Cholesterin) dienen oder bei familiärer Häufung von kardiovaskulären Erkrankungen.
  • Geschlecht: Männer sind früher und häufiger von einer Arteriosklerose und den typischen Folgeerkrankungen betroffen als Frauen, wobei unklar ist, ob geschlechtsspezifisches Verhalten oder ein unbeeinflussbarer Faktor eine Rolle spielt.

Bei den beeinflussbaren Risikofaktoren werden Klassen unterschieden, wobei Risikofaktoren der Klasse I das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen eindeutig erhöhen. Beeinflussbare Risikofaktoren der Klasse I umfassen:

  • Tabakkonsum
  • Arterieller Bluthochdruck (Hypertonie): Kann zu einer mechanische Schädigung der inneren Schichten von Blutgefäßen führen.
  • Hyperlipidämie: Eine Stoffwechselstörung, bei der bestimmte Lipoproteine, die Fette im Blut transportieren oder die transportierten Fette wie Cholesterin oder Triglyzeride im Blut erhöht sind. Bei der Entstehung von Arteriosklerose spielt vor allem die Erhöhung von LDL-Cholesterin bei gleichzeitiger Reduktion von HDL-Cholesterin eine Rolle.
  • Diabetes mellitus

Bei Risikofaktoren der Klasse II ist ein erhöhtes Risiko sehr wahrscheinlich. Beeinflussbare Risikofaktoren der Klasse II sind unter anderem:

  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • chronischer Stress, was eine verstärkte Kreislaufbelastung auslöst.

Eine Reduktion der genannten beeinflussbaren Risikofaktoren kann zwar bereits bestehende Veränderungen kaum rückgängig machen, jedoch das neue Auftreten oder Fortschreiten von arteriosklerotischen Veränderungen reduzieren und insbesondere bei Vorliegen von nicht beeinflussbaren Risikofaktoren sinnvoll sein3Kurzlehrbuch Pathologie – https://www.doi.org/10.1055/b-007-167433.

Folgen der Arteriosklerose

Arteriosklerose - Ursachen, Symptome und Behandlung

Arteriosklerotische Veränderungen von Blutgefäßen können weitere Komplikationen und Erkrankungen mit zum Teil lebensbedrohlichen Konsequenzen zur Folge haben:

  • Thrombotische Verschlüsse: Im Bereich der Ablagerungen in den Wänden von Arterien können sich Blutgerinnsel (Thromben) bilden. Die Folge kann ein teilweiser oder kompletter Gefäßverschluss sein, was zu einem chronischen oder akuten Sauerstoffmangel im nachgeschalteten Versorgungsgebiet führt. Zu den Folgen eines akuten Gefäßverschlusses gehören akute Herzinfarkte, akute Unterversorgung des Gehirns (ischämischer Schlaganfall), ein Organinfarkt oder ein akuter Verschluss der Extremitätenarterien (periphere arterielle Verschlusskrankheit, pAVK).
  • Embolien: Bestandteile der Ablagerungen in Blutgefäßen können sich lösen und im Blut zirkulieren bis sie in besonders engen Gefäßen zu einem Verschluss führen. Folgeerkrankungen können unter anderem die Nieren oder Lungen betreffen.
  • Dissektionen: Arteriosklerotisch veränderte Gefäße können sich akut aufspalten, insbesondere im Bereich der Aorta (Hauptschlagader) und zu einer lebensbedrohlichen Minderversorgung diverser Gebiete im Körper führen.
  • Aneurysmen: Insbesondere bei Mitschädigung der mittleren Gefäßschichten werden aneurysmatische Gefäßaussackungen begünstigt.
  • Gefäßrupturen: Arterien können aufgrund der verminderten Stabilität durch arteriosklerotische Veränderungen reißen und zu Einblutungen und Minderversorgung von nachgeschalteten Geweben führen (beispielsweise hämorrhagischer Schlaganfall).
  • Organatrophien: Können Arterien aufgrund der Einengung nachgeschaltete Organe wie Niere und Gehirn nicht mehr ausreichend durchbluten, können diese in ihrer Funktion beeinträchtigt werden und von Organschwund (Atrophien) betroffen sein.

Die genannten Komplikationen können wiederum arteriosklerotische Veränderungen der Blutgefäße verstärken, da sie Strömungsverhältnisse und Blutdruck beeinflussen. Mit zunehmendem arteriosklerotischem Umbau nimmt auch die Elastizität der Gefäße ab, was zu einem weiteren Blutdruckanstieg führt und im Sinne eines Teufelskreises erneut arteriosklerotische Prozesse fördert4Kurzlehrbuch Pathologie – https://www.doi.org/10.1055/b-007-167433.

Arteriosklerose ist einer der bedeutsamsten Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen wie chronische ischämische Herzkrankheit, akuter Myokardinfarkt oder Herzinsuffizienz. Kardiovaskuläre Erkrankungen sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) die führende Todesursache weltweit mit knapp 18 Millionen Todesfällen im Jahr 2019, was 32% aller Todesursachen entspricht5Deutscher Herzbericht 2020 – https://www.herzstiftung.de/system/files/2021-06/Deutscher-Herzbericht-2020.pdf – Abgerufen am 13.07.2022.

Vorbeugung und therapeutische Maßnahmen bei Arteriosklerose

Da arteriosklerotische Veränderungen von Gefäßen in der Regel nicht mehr rückgängig gemacht werden können, sollte insbesondere bei Vorliegen mehrerer Risikofaktoren vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden. Diese bestehen in erster Linie aus der Reduktion der beeinflussbaren Risikofaktoren wie Raucherentwöhnung, Gewichtsreduktion, vermehrte Bewegung und gesunde Ernährung.

Die WHO empfiehlt zur Prävention von Herz-Kreislauf- Erkrankungen eine mediterrane oder asiatische Kost mit vielen Vollkornprodukten, frischem Obst und Gemüse, Nüssen, pflanzlichen Ölen und frischem Seefisch. Fleisch und tierische Fette sollten reduziert und der Energiegehalt der Nahrung dem Kalorienbedarf angepasst werden. Insbesondere gesättigte Fettsäuren, Transfettsäuren, Cholesterin, Salz und Alkohol sollten reduziert werden6Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen und Atherosklerose – https://www.doi.org/10.1007/978-3-658-08359-5.

Die genannten Maßnahmen sollen eine Besserung von Fettstoffwechselstörungen bewirken, die als Hauptrisikofaktor für arteriosklerotisch bedingte Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten. Werden Sollwerte im Blut wie Gesamtcholesterin < 200 mg/dl oder Triglyzeride < 150 mg/dl nicht erreicht oder gibt es Gründe für Abweichungen, die nicht mit einer Änderung des Lebensstils zu beheben sind, kann zusätzlich eine medikamentöse Therapie vom behandelnden Arzt eingeleitet werden.

Hier kommen Lipidsenker oder Cholesterinsenker wie Statine zum Einsatz. Zur Senkung des arteriellen Blutdrucks können Blutdrucksenker verschrieben werden. Eine weitere therapeutische Präventionsmaßnahme ist die Gabe von Antikoagulantien als Thromboseprophylaxe um die Bildung von Blutgerinnseln und folglich Gefäßverschlüsse zu verhindern. Besonders gefährlich ist eine fortgeschrittene arteriosklerotische Veränderung an den Koronararterien, die das Herz selbst versorgen.

Diese Erkrankung wird auch als koronare Herzkrankheit (KHK) bezeichnet und kann durch eine Minderdurchblutung des Herzmuskels zu zahlreichen zum Teil lebensbedrohlichen Folgekomplikationen führen. Auch hier gelten die bereits genannten Empfehlungen zur Veränderung des Lebensstils und die medikamentösen Ansätze. Zusätzlich können operative Eingriffe bei KHK-Patienten in Frage kommen. Darunter zählen ein Bypass der verengten (stenosierten) Koronararterien, also eine Überbrückung der Verengung mit einem Teilstück eines an einem anderen Ort des Körpers entnommenen Blutgefäßes.

Weiterhin können verengte Gefäße durch Einsetzen eines Stents oder durch Einführen eines erweiterbaren Ballons wieder geweitet werden. Möglich sind sowohl eine Weitung einer hochgradigen Verengung (Revaskularisation) als auch die Wiedereröffnung eines komplett verschlossenen Gefäßes (Rekanalisation)7Duale Reihe Innere Medizin – https://www.doi.org/10.1055/b-005-145255. Die Sterblichkeitsraten von kardiovaskulären Erkrankungen und koronarer Herzkrankheit sind in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gesunken. Für den deutlichen Rückgang werden ein schneller Fortschritt bei Prävention und Behandlungsmethoden, darunter ein Rückgang von Zigarettenrauchen, verbesserte Therapie von Bluthochdruck und hohen Cholesterinwerten und die Entwicklung und der schnelle Einsatz von neuen Verfahren zur Behandlung von Blutgerinnseln und operativen Verfahren bei Verschluss oder hochgradiger Verengung von Herzkranzgefäßen verantwortlich gemacht8Decline in Cardiovascular Mortality: Possible Causes and Implications – https://www.doi.org/10.1161/CIRCRESAHA.116.309115.

Weiterhin scheint es jedoch einen negativen Einfluss der COVID-19-Pandemie auf die Sterblichkeit aufgrund kardiovaskulärer Erkrankungen zu geben. So wurde beispielsweise im deutschen Bundesland Hessen während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 verglichen mit dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres eine verringerte Aktivität in Herzkatheterlaboren festgestellt, die mit einem Anstieg der Sterblichkeit aufgrund von Herzkrankheiten einherging9Deutscher Herzbericht 2020 – https://www.herzstiftung.de/system/files/2021-06/Deutscher-Herzbericht-2020.pdf – Abgerufen am 13.07.2022.

Quellen & Verweise[+]

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